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Im Gespräch | Beitrag vom 21.07.2018

Rente und AltersvorsorgeWas tun gegen Armut im Alter?

Moderation: Julius Stucke

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Eine alte Frau mit Trolley (dpa)
Heute kommen in Deutschland auf jeden Ruheständler jenseits der 65 Jahre drei Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter – nach 2030 werden es nur noch zwei sein. (dpa)

"Die Rente ist sicher" - dieser Satz haftet wie Klebstoff am früheren Arbeitsminister Norbert Blüm. Inzwischen wissen wir es besser und der Frust ist groß. Das Schreckgespenst Altersarmut jagt vielen Angst ein. Was ist zu tun? Welche Strategien helfen?

"Die Rente ist sicher" – diesen Satz des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm aus dem Jahr 1997 glaubt heute kaum mehr jemand: Besonders groß ist der Renten-Frust bei den 55- bis 64-Jährigen. Jeder zweite der Babyboomer-Generation erwartet eine schlechtere Lebensqualität im Alter, drei Viertel haben das Vertrauen in die Rentenpolitik verloren. Kein Wunder: Schon jetzt liegt fast jede zweite Altersrente in Deutschland unter 800 Euro im Monat.

Wie kann ein gerechtes Rentensystem aussehen? Wie kriegen wir die Rente fit für die Zukunft?

"Bitte glaubt nicht, dass Vater Staat alles für euch tut"

"Die Rente ist wie eine Teilkasko-Versicherung. Bitte glaubt nicht, dass Vater Staat alles für euch tut", sagt Prof. Dr. Christian Hagist. Er leitet den Lehrstuhl für Generationenübergreifende Wirtschaftspolitik an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Wer im Alter gut leben wolle, müsse sich rechtzeitig ein zweites Standbein aufbauen – entweder durch eine betriebliche oder eine private Zusatzversorgung.

Er lässt nicht viel Gutes an der derzeitigen Rentenpolitik: "Es werden jetzt Tatsachen geschaffen, die man politisch wieder nur schwierig zurücknehmen kann. Nach der Regierung Schröder waren wir eigentlich auf einem guten Weg. In den letzten zehn Jahren wurden aber jetzt sehr großzügige Geschenke verteilt, die eigentlich nicht hätten sein müssen: Stichwort Mütterrente, Stichwort Rente mit 63 – und jetzt wiederum noch mal dem Zuschlag bei der Mütterrente."

Die Zeche zahlten letztlich die Jüngeren: Bereits jetzt fließe ein Drittel des Bundeshaushalts  in die Altersversorgung. Bis 2035 würden sich die staatlichen Kosten für von derzeit 300 auf 600 Milliarden Euro verdoppeln. Das könne nur finanziert werden, wenn wir später in Rente gehen: "Die Lebenserwartung steigt erfreulicherweise immer weiter an, man bekommt länger Rente. Dafür muss aber auch länger gearbeitet werden."  

"Riester & Co bringen den Sparern kaum Rendite"

"Privat bei der Rente vorsorgen – dieser Plan der Politik ist schief gegangen. Riester & Co bringen den Sparern kaum Rendite", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Letztlich verdienten zu oft andere: Versicherungsunternehmen, Makler, Banken – beim Verbraucher komme zu wenig an.

Sein Gegenentwurf: "Die Verbraucherzentralen werben seit Jahren für einen Vorsorgefonds, der das Geld der Anleger passiv und sehr kostengünstig in Aktien und Rentenpapieren anlegt. In Schweden hat man damit gute Erfahrungen gemacht." Ein solcher Fonds könne auch helfen, der Altersarmut vorzubeugen: "Mit einem staatlichen Fonds, der kostengünstig ist und das Geld bedarfsgerecht anlegt, wäre eine doppelt so hohe Rente erzielbar wie mit den heute im Vertrieb vorhandenen Produkten."

Wie kann ein gerechtes Rentensystem aussehen? Wie kriegen wir die Rente fit für die Zukunft? - Fragen zu diesem Thema beantworteten Christian Hagist und Niels Nauhauser unter Beteiligung der Hörerinnen und Hörer.

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