René Jacobs dirigiert Bachs h-Moll-Messe

Abbild der Menschheit

Dirigent René Jacobs steht vor einer edlen Holzvertäfelung mit Teilvergoldungen und hat die Arme verschränkt, während er mit grauen Locken in die Kamera lächelt.
René Jacobs dirigiert am liebsten mit einem Bleistift. © Philippe Matas
Moderation: Ruth Jarre · 20.05.2022
Mit Bachs h-Moll-Messe begann vor 30 Jahren die Zusammenarbeit des RIAS Kammerchors Berlin mit dem flämischen Dirigenten René Jacobs und der Akademie für Alte Musik Berlin. Bis heute findet Jacobs immer neue Facetten in diesem musikalischen Vermächtnis Bachs.
Es war ein großer Auftakt und mutig, für eine neue Zusammarbeit gleich auf Johann Sebastian Bachs ikonografische h-Moll-Messe zu setzen. Doch das erste gemeinsame Konzert hat eine Jahrzehnte währende musikalische Freundschaft eingeläutet.

Eine große Gemeinde im Raum

In dieser Aufführung legt René Jacobs Wert darauf, dass alle Sängerinnen und Sänger, die Solisten eingeschlossen, zusammen die singende Gemeinde ergeben, den Chor der Gläubigen. Um den geistigen und geistlichen Gehalt der Messe in h-Moll bestmöglich hörbar, sichtbar und vor allem zugänglich zu machen, bildet er Gruppen: ein Teil des Chores befindet sich vor dem Orchester, der andere Teil erhöht hinter dem ebenfalls erhöhten Orchester. Dazu die Gesangssolisten, die sich später in den Chor einreihen.

Das Programmheft zum Jubiläumskonzert finden Sie hier.

Diese drei Stufen sind wichtig, so Jacobs: „Unten ein irdischer Chor, ganz oben ein Himmelschor. Und in der Mitte, in der Probe habe ich lachend gesagt, das Orchester im Fegefeuer.“ Wenn dann das doppelchörige „Osanna“ vom Himmelschor eröffnet wird, ist klar: hier geben die Engel den Ton vor.

Auf Emotion gesetzt

Auch mit der Besetzung spielt er. Was man normalerweise als Chorsatz hört wie „Crucifixus“ oder „Qui tollis“, lässt René Jacobs solistisch singen. So könne der emotionale Gehalt durch die persönliche Ausdeutung der einzelnen Sänger sehr viel stärker in den Vordergrund rücken.

Solisten für den Gesamtklang

Als Solisten kommen für Jacobs nur Sängerinnen und Sänger in Frage, die auch über Chorerfahrung verfügen, weil sie sich unbedingt auch in den Gesamtklang integrieren müssen. Und so hat er für Konzert zum 30-jährigen Jubiläum eine erstklassige Solistenriege engagiert.

René Jacobs spricht ausführlich mit Ruth Jarre über Bachs Messe in h-Moll
18:04 Minuten

Eine gelungene Feier für René Jacobs, den RIAS Kammerchor Berlin und die Akademie für Alte Musik Berlin. Zudem erschien das Werk in dieser Interpretation soeben auf CD.
Aufzeichnung vom 12. Mai 2022 im Konzerthaus Berlin

Johann Sebastian Bach
Messe h-Moll BWV 232

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