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Interview | Beitrag vom 11.09.2019

ReligionsunterrichtMit Kooperation und Dialog den Schülerschwund stoppen

Hans-Ulrich Keßler im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Eine Schülerin steht an einer Tafel, auf der ein Stundenplan mit Religionsunterricht geschrieben ist. Das Fach ist umkreist. (Picture Alliance/ dpa / Friso Gentsch)
Immer weniger Menschen gehören einer Kirche an, das hat auch Auswirkungen auf den Religionsunterricht. (Picture Alliance/ dpa / Friso Gentsch)

Laut der Nordkirche entwickelt sich der Religionsunterricht im Norden der Republik gegen den Trend. Während anderswo immer weniger Schüler kommen, geht es dem Religionsunterricht in Norddeutschland "sehr gut", wie der Theologe Hans-Ulrich Keßler betont. Warum?

Nicht nur die Mitgliederzahlen der großen Kirchen gehen zurück, auch die Schülerzahlen im Religionsunterricht sind insgesamt rückläufig.

Die evangelische Kirche in den norddeutschen Bundesländern, die Nordkirche, macht allerdings derzeit die gegenteilige Erfahrung, wie Hans-Ulrich Keßler, Leiter des Pädagogisch-Theologischen Instituts der Nordkirche, berichtet. Die Schülerinnen und Schüler würden dem Religionsunterricht "richtig gute Noten" geben, berichtet er – trotz der zum Teil schlechten Außenwahrnehmung.

Kein Rückgang bei den Nordkirchen

In Mecklenburg-Vorpommern nehmen laut Keßler momentan mehr als 40 Prozent der Schüler am Religionsunterricht teil - obwohl der Anteil der Kirchenmitglieder in der entsprechenden Altersgruppe bei unter zehn Prozent liege. Beachtenswert sei dabei, dass die Schüler das freiwillig täten. Auch in anderen norddeutschen Bundesländern zeigten Studien ähnliche Ergebnisse. "Dem Religionsunterricht in Norddeutschland geht es wirklich sehr gut", resümiert Keßler.

Im Norden mache man schon seit langem gute Erfahrungen damit, den Religionsunterricht kooperativ zu gestalten, erläutert er. Beispielsweise in Hamburg, wo seit Ende des Zweiten Weltkrieges der Religionsunterricht komplett in der Hand der evangelischen Kirche sei, weil das Katholische Erzbistum sich zurückgezogen habe. Deswegen saßen auch immer nicht-evangelische Schüler mit im Klassenzimmer: katholische, später auch orthodoxe, muslimische und alevitische.

Nicht zur Neutralität verpflichtet

Religionsunterricht müsse so gestaltet sein, dass die Schülerinnen und Schüler lernten, einander zu verstehen, ist Keßler überzeugt. Es sei eine religionspädagogische Aufgabe, eine "dialogfähige Religiosität" zu entwickeln. Deswegen würden beim Hamburger "Religionsunterricht für alle" die jeweiligen Religionen so dargestellt, wie sie sich selbst verstehen.

Gegenüber dem Fach Ethik sieht Keßler den Vorteil, dass die Religionslehrer nicht dem staatlichen Neutralitätsgebot verpflichtet sind. Damit könnten sie auch den Wahrheitsanspruch aller Religionen im Unterricht thematisieren.

(rzr)

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