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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.01.2015

Religion und WirtschaftDer reiche und der arme Islam

Moderation: Katja Schlesinger und Frank Meyer

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Der Islamwissenschaftler Dr. Stephan Rosiny vor einem Bücherregal. (imago / Rolf Zöllner)
Der Islamwissenschaftler Stephan Rosiny vor einem Bücherregal. (imago / Rolf Zöllner)

Nicht die Religion, sondern autoritäre Herrschaften seien Hemmnisse für die Entwicklung islamischer Gesellschaften, sagt der Islamwissenschaftler Stephan Rosiny. Er sieht Chancen für die Durchsetzung der liberalen Schule des Islam.

Es sei nicht der Islam, der die dynamische Entwicklung von Gesellschaften bremse, sagt der Islamwissenschaftler Stephan Rosiny vom GIGA-Institut für Nahost-Studien in Hamburg im Deutschlandradio Kultur.

Dieser Prozess werde vielmehr von zwei anderen, wesentlichen  Faktoren bestimmt: autoritäre Herrschaft und Unterentwicklung. Beide Faktoren hingen mit regional- und globalpolitischen Bedingungen zusammen:

"In den arabischen Nahost-Staaten kann man beispielsweise einen ganz großen Unterschied sehen zwischen ölfördernden Ländern, die eine ganz starke Renten-Ökonomie haben, und sehr bevölkerungsreichen Ländern, die oft keine Ressourcen haben. "

Schon allein dieser Unterschied erkläre große Differenzen im Religionsverständnis,  in der Wissenskultur und in der wirtschaftlichen Entwicklung, meinte Rosiny.

Wiederbelebung des mittelalterlichen Diskurses

Im Moment erlebe man in einigen islamischen Staaten eine regelrechte "Wiederbelebung" des damaligen mittelalterlichen Diskurses. Auch damals habe es bereits zwei Schulen gegeben: eine textfundamentalistische und eine sehr liberale, wissensorientierte Schule. Die wissensorientiere, auf den rationalen Kern des Islam zielende Richtung sei auch heute in verschiedenen arabischen und islamischen Ländern präsent, betonte Rosiny. Sie hätte durchaus Chancen, sich durchzusetzen:

"Es ist natürlich auch immer eine gewisse Frage der Aufmerksamkeit und der Medialisierung. Drei Attentäter haben in Paris wieder die ganze Weltmeinung dominiert. Und das prägt im Moment stark unser Bild vom Islam. Drei fortschrittliche Wissenschaftler in arabischen oder islamischen Ländern werden uns nicht auffallen, weil sie nicht die Medien entsprechend dominieren."

Debatte im Deutschlandradio Kultur: "Der Islam ist nicht das Problem. Aber hat er eins?" Die terroristischen Anschläge in Frankreich hätten nichts mit dem Islam zu tun, so die einen. Andere wiederum sind der Meinung, Islam und Terror gingen Hand in Hand. Über diese Positionen, sowie solche dazwischen, führen wir eine Reihe von Interviews im Deutschlandradio Kultur.

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