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Rang I | Beitrag vom 22.07.2017

Rektor verlässt "Ernst Busch"-Schauspielschule"Sich andere Welten aneignen"

Wolfgang Engler im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Der Soziologe Wolfgang Engler (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)
Der Soziologe Wolfgang Engler (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Als Wolgang Engler Rektor der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" wurde, wollte er nicht bloß einen Stuhl besetzen. Er hat die über Berlin zerstreute Schule in einem Campus vereint. Im Interview erklärt der scheidende Rektor, ob es heute noch erstrebenswert ist, Schauspieler zu werden.

"Behutsam moderierend" - so fasst Wolfgang Engler seine Aufgabe als Rektor der renommierten Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin ein. zwölf Jahre leitete der Soziologe und Philosoph Berlins kleinste Hochschule. Jetzt geht er in den Ruhestand, räumt den Posten des Rektors.

"Ich komme eher von der Theorie her."

Im Gespräch erläutert er, warum er, der als Soziologe und Philosoph viele Bücher geschrieben hat, u.a. "Die Lüge als Prinzip", "Die Ostdeutschen als Avangarde" in seinem jüngsten Buch mit dem Titel "Authentizität" die zunehmend performativen Stückentwicklungen kritisiert, die statt literarischer Texte auf den Bühnen Einzug halten. Engler erklärt, wie sich das Rollenspiel der Menschen verändert hat: "In eine Richtung verändert hat, dass man sich vor die Rolle stellt. Dass es etwas wie eine Rollenschamgibt. Eine Rolle nur zu erfüllen, und nur das abzuarbeiten, was einem aufgetragen worden ist, reicht heute nicht mehr – in der Wirtschaft nicht, in der Politik nicht. Und auch in den Künsten glaubt man, dass man immer man selber sein muss."

Das könne "die Kunst der Verwandlung [..] an den Rand drängen." Er gesteht aber auch ein, er wolle keine feindlichen Lager machen aus dem mimetischen und performativen Theater.

"Kommt, macht es, es ist wunderbar."

Kann man heute noch Schauspieler werden?

Auf die Frage, ob er einem jungen Menschen heute überhaupt noch mit gutem Gewissen empfehlen kann, den Beruf des Schauspielers zu erlernen, verweist Engler auf den Urtrieb des Spielens im Menschen und wie schön es sei, "die Möglichkeit zu haben, sich andere Welten als die Welt in der sie leben anzueignen, das ist vielleicht überhaupt noch der Rest der Utopie einer Welt die so vom Realen und vom Realen stattfindenden besessen ist, dass sie Mühe hat auch nur einen Fingerbreit darüber hinauszudenken."

Kulturelle Diversität, aber nicht sozial

Bedauerlich findet Engler, dass es nicht gelungen ist, verschiedene soziale Schichten der Gesellschaft bei der Auswahl der Studentinnen abzubilden: "Es ist immer die gehobene Mittelschicht. Was wir kaum sehen, sind Arbeiterkinder. Leute, die aus Arbeitslosenmilieus kommen, die fangen wir nicht ein. Ich weiß nicht, wie das gelingen kann, wenn nicht auf der basalen Ebene des Bildungssystems mehr Chancengleichheit entsteht."

Über seinen umstrittenen Nachfolger Holger Zebu Kluth sagt er:

"Ich hoffe, dass seine Organisationsqualitäten, die er fraglos besitzt … der Schule im nächsten Jahr zugute kommen könnten."

Dann nämlich ziehen alle Fachbereiche der Ernst-Busch-Hochschule erstmals an einen gemeinsamen Standort im Stadtbezirk Berlin-Mitte.

Wolfgang Engler wird das als Rektor nicht mehr miterleben. Er, der mit seinen Studenten jahrelang für diesen neuen Standort unter einem Dach gekämpft hat, er geht ein Jahr zu früh in den Ruhestand.

Hören Sie das Gespräch in voller Länge:

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