Reihe: Schöne Bescherung

Die Silhouette von Potsdam

Menschen betrachten das wiederaufgebaute Fortunaportal des einstigen Potsdamer Stadtschlosses (Mitte) zwischen Nikolaikirche (links) und Altem Rathaus in Potsdam. © AP
Von Axel Flemming · 20.12.2013
Die Wiederaufbau-Pläne des Potsdamer Stadtschlosses sind noch nicht am Ende: Auch die Garnisonkirche soll wieder erstehen - das gefällt aber nicht allen in der brandenburgischen Hauptstadt.
Die Breite Straße ist schmaler geworden, jetzt ist der Verkehr verschwenkt und steht einem Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht mehr im Wege. Aber braucht Potsdam das Bauwerk?
Burkhard Franck, Vorsitzender der FWG, der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, die noch immer ein bisschen im Begründungszwang ist:
"Wir haben eigentlich nicht ein zu wenig an Begründungen, sondern eher ein zu viel. Nämlich beginnend von 2005 mit dem Nutzungskonzept der Kirche, in dem mit großer Ausführlichkeit, großer Detailgetreue ausgeführt wird, was die Garnisonkirche darstellen soll, was hier gemacht werden soll."
Zuerst der 88 Meter hohe Turm und später einmal der Seitenflügel sollen wieder aufgebaut werden; eine Stadtkirche entstehen, eine Ausstellung über die Geschichte des Baues und ein internationales Zentrum für Frieden und Versöhnung.
Allerdings fehlt trotz der Förderung aus dem Etat des Kulturstaatsministers von zwölf Millionen Euro noch ein bisschen Kleingeld:
"Es fehlen eigentlich nur noch 28 Millionen Euro, um die 40 Millionen für den ersten Bauabschnitt zusammen zu kriegen. Und wir haben fest vor, anschließend ohne Unterbrechung das Kirchenschiff zu bauen, wenn der Turm und die Seitenflügel fertig sind."
Die Pläne gefallen nicht allen. "Anders als die Frauenkirche in Dresden ist der Wiederaufbau der Garnisonkirche kein Bürgerprojekt. Sie wird nicht geliebt", sagt Kommunikationsdesigner Marcus Große.
"Die Garnisonskirche ist keine Bürgerkirche"
2011 gründete er mit anderen die "Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche":
„Ich selbst hab zu meiner Konfirmation eine Uhr geschenkt bekommen, eine Frauenkirchen-Uhr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Potsdamer einen Spenden-Ziegelstein diesen Weihnachten unter den Tannenbaum gelegt bekommt. Die Garnisonkirche ist einfach keine Bürgerkirche. Wie der Name schon sagt, es ist eine Garnisonkirche und den Potsdamern, denen ist der Bau relativ schnuppe …“
Hauptsache, es kostet kein Steuergeld.
Und es bleibt auf immer der Makel, dass die Kirche 1933 durch die Nationalsozialisten vereinnahmt wurde, die hier am so genannten Tag von Potsdam die Machtübergabe des greisen Reichspräsidenten Hindenburg an Hitler zelebrierten.
"Zwar wurde ich auf das Thema gestoßen durch eine Münze aus dem Dritten Reich, aber das Thema Politik ist nicht mein entscheidender Grund gegen diesen Bau zu sein. Da geht es dann eher um Rekonstruktion, um Kopie, was passiert mit den Originalen, wenn man kopiert? Es ist vielleicht nicht so entscheidend, wann Hitler da gewesen ist, was er da gemacht hat oder warum die Garnisonkirche ausgewählt wurde. Die Kritik an der Garnisonkirche fängt schon ein bisschen eher an, mit dem Bau 1735 als Militärkirche."
Die meisten Potsdamer haben andere Probleme
1945 zum Kriegsende trafen Bomben das Gebäude, die Ruine wurde ab 1950 wieder für das geistliche Leben genutzt, 1968 aber gesprengt.
Anke Silomon, Historikerin aus Berlin:
"Ich habe zu Anfang gedacht, das es wirklich eine Entscheidung gewesen wäre, die erst 1967/68 gefallen ist. Und mit der Zeit ist mir klar geworden, dass es eigentlich von Anfang an nicht gewollt war. Also ich glaube schon, dass die Zeichen spätestens seit Mitte der Fünfzigerjahre auf Abriss standen."
Aber Denkmalspfleger konnten sich lange gegen die SED-Pläne wehren - bis Staatschef Walter Ulbricht bei seinem Potsdam-Besuch am 22. Juni 1967 fragte: "Was hat die Ruine hier noch zu suchen?"
Er vertrat die Devise: "Einen Turm fürs Rathaus, einen Turm fürs Kulturhaus. Andere Türme können wir in der sozialistischen Stadt nicht gebrauchen." Vorerst steht nun eine provisorische Kapelle hinter den historischen Fundamenten, sie dient als Andachts- und Versammlungsraum.
Ablehnung oder Zustimmung, die meisten Potsdamer scheinen andere Sorgen zu haben. Zum Vortrag der Historikerin kommen gerade mal 14 Zuhörer. Unter ihnen: Barbara Kuster, Kabarettistin, die nebenan aufgewachsen ist. Sie wurde in der Garnisonkirche getauft und konfirmiert, sie befürwortet den Wiederaufbau:
"Ja auf jeden Fall, gehört zu Potsdam. Das ist identifikationsstiftend, das ist die Silhouette, die mal war. Und die muss wiederkommen!"