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Die Reportage / Archiv | Beitrag vom 21.12.2014

Reihe: Gekommen, um zu bleibenEinkaufen wie ein Flüchtling

Von Ellen Häring und Lennart Pyritz

Autorin Ellen Häring hält vor einem Supermarkt Gutscheine im Wert von 30 Euro in der Hand (Deutschlandradio)
Autorin Ellen Häring hält vor einem Supermarkt Gutscheine im Wert von 30 Euro in der Hand (Deutschlandradio)

Unsere Autoren Ellen Häring und Lennart Pyritz machen den Selbsttest: Wie kauft ein Asylbewerber mit Gutscheinen ein? Denn in manchen Kommunen bekommen Flüchtlinge nur geringe Beträge in bar, den Rest als Gutscheine. Doch die einzulösen, kann ganz schön schwierig sein.

"Okay Lennart, dann lass uns mal losgehen zum Einkaufen. Ich hab hier 50 Euro in Gutscheinen. Hier sind die Gutscheine, die hab' ich einem syrischen Flüchtling abgekauft."

"Zeig mal, wie sehen die aus?"

"So sehen die aus."

"Aha, zwei  Euro, fünf Euro, zehn Euro."

"Ja, die sind so gestückelt."

"Wer hat die unterschrieben?"

"Ja, die hab' ich einem syrischen Flüchtling abgekauft, der heißt Mohammed Aswat und der lebt in Oberhavel, das ist in Brandenburg."

"Okay, dann sind wir hier vor dem Supermarkt, dann gehen wir mal rein."

Supermarkt:

"So, dann nehm ich mal ein Liter Milch, ein paar Nudeln... Komm, dann lass uns mal zu der Blonden gehen, die sieht nicht ganz so griesgrämig aus."

"Ja, ich wollte fragen, ob ich hier mit einem Gutschein einkaufen kann?"

"Nee, nee, nee, nee - wir nehmen keine Gutscheine."

"Warum nicht?"

"Warum kann ich Ihnen nicht sagen, wir nehmen keine."

"Das ist jetzt so ein Gutschein, den hab ich von einem Flüchtling abgekauft. Das heißt der könnte jetzt bei Ihnen gar nicht einkaufen?"

"Nee, nee, weil ich hab auch noch nie so ein Gutschein gesehen, ehrlich gesagt."

"Dann nehm' ich ihn wieder mit."

Straße:

"Ja, komm, also wenn die den gar nicht kennen den Gutschein ..."

"... dann probieren wir es nochmal woanders?"

"Ja."

"Kriegen die Flüchtlinge denn überhaupt kein Bargeld in der Kommune?"

"Doch, der kriegt soweit ich weiß, 137 Euro Bargeld, aber der Rest, der ihm zusteht - das sind so ungefähr 200 Euro -, den kriegt er eben in Gutscheinen. Es gibt nur keine offizielle Liste der Geschäfte, die das in Berlin einlösen, deshalb müssen wir das einfach mal ausprobieren."

Supermarkt: 

"Hallo, lösen sie die ein?"

"Ich weiß, dass wir die Dinger nur rausgeben dürfen mit Personalausweis."

"Ja, ich habe so eine Vollmacht."

"Soweit ich weiß, dürfen nur die, denen diese Dinger gehören, auch damit einkaufen gehen. Deshalb kriegen die ja auch diese Gutscheine, dass sie kein Bargeld in die Hand kriegen. Soweit ich weiß, geht das nicht, aber wir machen das jetzt mal ausnahmsweise. Ausnahmsweise, aber nächstes Mal geht das nicht."

"Danke!"

Straße:

"Super, jetzt haben wir 20 Euro unters Volk gebracht, ist doch klasse."

"Lass mich nochmal gucken, was steht da eigentlich drauf auf dem Schein?"

"Lies vor, ich habe gerade keine Brille."

"Nur einlösbar mit Wertgutscheinkarte."

"Ja, die hab' ich ja, ich hab' ja ne Vollmacht."

"Für Nahrungsmittel, Schreib- Hygiene und Reinigungsartikel. Wäsche sowie Hausrat von geringem Anschaffungswert. Rückgabe bis zehn Prozent."

"Also das heißt, ich habe jetzt hier einen für fünf  Euro, da krieg ich ja nur maximal 50 Cent zurück."

"Genau."

"Was steht da hinten drauf noch? Nur einlösbar bei den in der Region angeschlossenen Akzeptanzpartnern für Wertgutscheinpass. Aber wir können ja mal gucken, ob die Döner-Bude da vorne mitmacht."

"Ja, wir gucken, ob die Dönerbude als Akzeptanzpartner in Frage kommt."

Dönerladen:

"Hallo! Hallo! Also das ist ein Gutschein, den hab' ich abgekauft einem Flüchtling aus Syrien. Sie wissen ja vielleicht, in manchen Kommunen kriegen die Flüchtlinge kein Bargeld oder nur einen geringen Betrag..."

"...Lebensmittelmarken?"

"Ja genau, die kriegen solche Gutscheine." - "So sehen die aus."

"Aber würden Sie jetzt so einen Gutschein nehmen?"

"Ich wüsste nicht, wir haben keine Verbindung zum Jobcenter oder zu irgendeiner sozialen Einrichtung, dass wir den dort einlösen könnten. Haben wir gar nicht, diese Verbindung. Also würden wir wohl drauf sitzen bleiben, nehm' ich an."

"Haben Sie den schon mal gesehen, so einen Gutschein?"

"Den seh' ich zum ersten Mal, so was. So sehen die aus, ja? Die armen Asylanten, die kriegen alle sowas. Das muss man den Politikern sagen."

Apotheke: 

"Wollen wir noch mal in die Apotheke gehen?"

"Würden Sie mir diese Salbeibonbons verkaufen und ich darf die mit dem Gutschein bezahlen? Können Sie den irgendwo einlösen?"

"Ich wüsste nicht. Der ist ja auch auf 10.- ausgestellt, ich wüsste nicht, was wir mit der Differenz machen sollten."

"Und wie teuer sind die hier?"

"Die kosten 1,45 Euro."

"Ich hätte jetzt auch noch einen für zwei Euro. Würden Sie einen für zwei Euro nehmen?"

"Ich weiß wirklich nicht, wie ich den behandeln soll."

Weihnachtmarkt:

"Schöner Weihnachtsmarkt hier."

"Klar, finde ich auch. Ich hab hier einen Gutschein, ich möchte gerne einen Punsch von Ihnen. Jetzt hätt' ich gerne mal gewusst, ob sie diesen Gutschein nehmen. Haben sie den schon einmal gesehen?"

"Den hab ich noch nicht gesehen, was soll das für ein Gutschein sein?"

"Sie sehen ja, was da drauf steht."

"Zwei  Euro, zwei null null. Einlösbar in Deutschland."

"Ja, aber der Punsch kostet doch zwei Euro."

"Okay, und wo kann ich den dann einlösen?"

"Das weiß ich doch nicht! Jedenfalls hab ich 50 Euro, das hier sind nur zwei Euro, ich renne schon den ganzen Tag rum und ich hab immer noch 30 Euro, nur 20 Euro bin ich losgeworden."

"Ich bin ehrlich gesagt nicht so zuversichtlich, dass ich den loswerde, aber wenn Sie jetzt schon so den ganzen Tag unterwegs sind, dann kriegen Sie jetzt mal einen Punsch von mir."

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