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Fazit | Beitrag vom 03.11.2020

Regisseur Thomas Ostermeier zum Theater-Lockdown"Lieber den ganzen Winter schließen und im Sommer durchspielen"

Thomas Ostermeier im Gespräch mit Britta Bürger

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Ein Plakat mit der Aufschrift Das Rätsel bleibt ungelöst. hängt über dem Eingang der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, 31. Oktober 2020. Die Worte entstammen dem Stück Das Leben des Vernon Subutex 1, nach dem Roman von Virginie Despentes, Regie Thomas Ostermeier. Aufgrund des Lockdowns zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie kann die Premiere am 5. November nicht stattfinden. (imago images / Martin Müller)
Der Vorhang bleibt zu: Zum zweiten Mal muss die Schaubühne in Berlin wegen des Lockdowns eine geplante Premiere absagen. (imago images / Martin Müller)

Die Premiere des neuen Stücks "Das Leben des Vernon Subutex 1" an der Schaubühne Berlin war im November geplant. Nun sind die Theater wieder zu. Sollte das im Dezember so bleiben, will Regisseur Thomas Ostermeier im Winter gar nicht mehr spielen.

Zum zweiten Mal wird eine Premiere an der Berliner Schaubühne vom Lockdown gekippt. Bereits im Mai sollte ein neues Stück aufgeführt werden, dass dann fünf Wochen vorher durch den Lockdown im März gestoppt wurden, sagt Thomas Ostermeier, Regisseur und Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin. Diesmal ist es "Das Leben des Vernon Subutex 1", die Bearbeitung des Romans der Französin Virginie Despentes mit Joachim Meyerhoff in der Hauptrolle, dessen Erstaufführung gecancelt werden musste. 

Zweifel daran, dass sich die Lage bessert

"Und natürlich ertappe ich mich bei der Frage: Soll ich denn jetzt wirklich noch einmal alles umschmeißen und für den Dezember planen?", so Ostermeier. Allerdings stehen im Dezember bereits zwei neue Stücke von Simon Stone und Simon McBurney auf dem Plan. Der Regisseur bezweifelt aber, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt: "Macht das Sinn vor dem Hintergrund, dass ja schon gemunkelt wird, dass im Dezember auch nicht wieder aufgemacht wird?"

Thomas Ostermeier, Regisseur und Künstlerischer Leiter der Schaubühne Berlin (picture alliance/dpa/Horst Galuschka)Das ständige Auf und Zu der Theater zermürbe alle Beteiligten, sagte Thomas Ostermeier, Künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne. (picture alliance/dpa/Horst Galuschka)

Die "Unsicherheit dieser Wellen des Lockdown light" sei für das Theater einfach nicht gut: "Da wäre es besser, wenn man sagen würde, oder das wäre zumindest mein Vorschlag: Leute, lasst uns die Wintermonate zumachen und das im Sommer kompensieren." Man könne den Mitarbeitern ihren Urlaub im Winter geben und im Sommer dafür durchspielen, so Ostermeier weiter: "In der Hoffnung, dass wir im Sommer ein bisschen besser zurechtkommen mit diesem Virus."

Jahrhundertkatastrophe mit schlimmen Nachwehen

Man müsse der Kulturpolitik auf Landes- und auch auf Bundesebene klarmachen, dass "dieses 'On and Off' die Leute zermürbt, dass es Arbeitsbeziehungen unnötig belastet". Es sei auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, wenn man Stücke und Premieren plant, diese dann nicht rausbringen kann. Im Moment komme man zwar aufgrund des Kurzarbeitergeldes finanziell noch hin. "Schwierig wird es dann, wenn die akute Pandemie vorbei ist, wir aber mit den Nachwehen dieser Jahrhundertkatastrophe zu tun haben, nämlich mit leeren öffentlichen Haushalten."

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Da gebe es jetzt schon die Aussage der Berliner Kulturpolitik: "Dass sie verstehen, dass wir ein Problem haben, weil wir nicht damit rechnen können, dass die Gastspieltätigkeit sofort wieder aufgenommen werden kann, aber das sie uns da nicht helfen können. Und da steht uns das Wasser dann spätestens Herbst 2021 / Frühjahr 2022 bis zum Hals als Institution oder als Theater."

Theater-Streaming als Ersatz

Fürs Erste aber können Theaterfreunde auf der Webseite der Schaubühne Berlin Aufzeichnungen von Theaterinszenierungen streamen. Mit ihrem ersten online Programm hatte die Schaubühne, so Ostermeier, immerhin 650.000 Zuschauer weltweit erreicht. "Und das ist schon was Besonderes und hat uns auch noch mal gezeigt, wie viele Zuschauer wir in der ganzen Welt haben durch unsere Gastspieltätigkeit in der Vergangenheit."

(kpa)

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