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Thema / Archiv | Beitrag vom 17.09.2012

Regisseur Hochhäusler spricht sich gegen Verbot von Schmähfilm aus

Sendeverbot von "Die Unschuld der Muslime" könnte Präzedenzfall schaffen

Proteste gegen die USA nach der  Veröffentlichung eines Anti-Islam-Videos, hier in Islamabad, Pakistan. (picture alliance / dpa / Bilawal Arbab)
Proteste gegen die USA nach der Veröffentlichung eines Anti-Islam-Videos, hier in Islamabad, Pakistan. (picture alliance / dpa / Bilawal Arbab)

Der Regisseur Christoph Hochhäusler hat sich gegen ein Verbot des umstrittenen Anti-Islam-Films "Die Unschuld der Muslime" ausgesprochen. Bei der Indizierung von Filmen müsse die Grenze sehr liberal gezogen werden, sagte Hochhäusler.

Wenn man einen Präzedenzfall schaffe, lasse sich der nächste Film bereits schneller verbieten. Zur Absicht von "Pro Deutschland", den Film in voller Länge aufzuführen, sagte Hochhäusler: "Wenn die den zeigen wollen, sollen sie ihn zeigen." Das könne auch heilsam sein, weil der Film einfach "unsagbar schlecht" und "vollkommen lächerlich" sei: "Wer danach Anti-Islamist ist, dem ist nicht zu helfen."

Zur Debatte um das Verbot des Films sagte der Regisseur, es sei absurd, einen Film in Deutschland verbieten zu wollen, damit Menschen woanders auf der Welt wüssten: "Wir sind gar nicht so." Es gebe im Übrigen jederzeit und überall Dinge, die überzeugte Islamisten störten. Der Film sei einfach nur ein Anlass, der politisch instrumentalisiert werde. "Das ist so ein bisschen Reichskristallnacht, der Volkszorn, der scheinbar spontan sich entlädt, in Wirklichkeit aber ist das ein gemachter Anlass", sagte Hochhäusler.

Unter den Filmen, die derzeit in Deutschland indiziert sind, seien einige Meisterwerke der Filmgeschichte, betonte Hochhäusler. Er finde es auch falsch, dass beispielsweise "Jud Süß" nicht aufgeführt werden dürfe. Dieser sei zwar ein "wirklich ekelhafter Propaganda-Film". Er glaube aber nicht, dass jemand, der den Film sehe, deswegen zum Nazi werde. Im Gegenteil lohne sich die Beschäftigung mit "Jud Süß", um zu verstehen, was damals passiert sei und welche Rolle Massenmedien dabei gespielt hätten.

Das vollständige Gespräch mit Christoph Hochhäusler können Sie bis mindestens 17. Februar 2013 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.

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