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Interview | Beitrag vom 25.01.2020

Regionalwahlen in der Emilia-RomagnaKleine Wahl mit großer Wirkung

Jan Labitzke im Gespräch mit Shanli Anwar

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Auf der Piazza Grande in Modena scharrt Matteo Salvini während des Wahlkampfes Zuhörer um sich. (picture alliance/ IPA/ Roberto Brancolini)
Erfolgreich vor allem in ländlichen Gegenden: In der traditionell roten Emilia-Romagna steigt der Zuspruch zu Salvinis Partei Lega Nord. (picture alliance/ IPA/ Roberto Brancolini)

Am Sonntag könnte die Emilia-Romagna, Italiens rote Hochburg, an die Lega Nord fallen. Gerade im ländlichen Raum habe Salvini immer mehr Wähler überzeugen können, meint der Politologe Jan Labitzke. Ein Sieg der Lega könnte Folgen für ganz Italien haben.

Don Camillo und Peppone, der katholische Priester und der kommunistische Bürgermeister, waren einander in herzlicher Feindschaft verbunden. Sie stehen für das "alte" Italien, in dem Kommunisten und Christdemokraten die mächtigsten politischen Kräfte waren - aber auch für eine Zeit, in der "bei allen Unterschieden es dann doch irgendwie die Möglichkeit gab, sich zusammenzuraufen und wieder einen Weg zu finden, miteinander zu sprechen", wie der Politikwissenschaftler Jan Labitzke von der Universität Gießen sagt. Das allerdings unterscheide sie von der aktuellen italienischen Gesellschaft, die zunehmend polarisierter sei.

Und so stehen sich vor der Regionalwahl am Sonntag in der Emilia-Romagna das linke Lager der Sozialdemokraten und das rechte Lager von Matteo Salvinis Lega Nord unversöhnlich gegenüber. Eine symbolträchtige Wahl, denn die Emilia-Romagna ist - wie lange Zeit in Deutschland Nordrhein-Westfalen - eine traditionell linke Hochburg. Seit Jahrzehnten regieren dort linke Parteien: bis zu ihrer Auflösung 1991 die Kommunistische Partei, dann wechselnde sozialdemokratische Parteien. Doch deren Mehrheit droht jetzt zu kippen, die Umfragen gehen von einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus.

Szene aus einem "Don Camillo und Peppone"-Film: Gino Cervi (r.) als kommunistischer Bürgermeister mit Fernand Joseph Desiré Contandin als Pfarrer. (imago stock&people)Szene aus "Don Camillo und Peppone": der kommunistische Bürgermeister und der Pfarrer rauften sich immer wieder zusammen. (imago stock&people)

Labitzke sieht den Grund dafür zum einen darin, dass die Parteimitgliedschaft der linken Parteien sehr zurückgegangen ist: "Dieser hohe Organisationsgrad war lange eine Erklärung, warum die Parteien der Linken dort so erfolgreich waren." Außerdem gebe es auch in der Emilia-Romagna eine zunehmende Spaltung zwischen dem ländlichen Raum, in dem die Lega Nord immer mehr Wählerinnen und Wähler habe überzeugen können und den städtischen Zentren wie Bologna, die weiterhin Hochburgen der Linken seien.

"Sardinenbewegung" gegen Salvini

In Bologna sei anlässlich des Wahlkampfauftaktes von Salvini dann auch die sogenannte "Sardinenbewegung" entstanden: "Eine zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich gegen Salvini ausspricht, ein anderes Italien verkörpern will, sich gegen Fremdenhass, für mehr Toleranz ausspricht." Und die es tatsächlich vermocht habe, sehr viele Leute auf die Straße zu bringen: "In Bologna Mitte November 12.000 Leute, später in Turin und Rom sogar 40.000 oder 50.000 Leute."

Sollte die Emilia-Romagna morgen an die Rechten fallen, könnte es eine kleine Wahl mit großer Wirkung werden. "Diese Region ist sehr symbolträchtig. Es findet parallel noch eine zweite Wahl in Süditalien, in Kalabrien statt, wo schon klar ist, dass die Linke dort von der Rechten abgelöst werden wird. Es ist der Auftakt zu mehreren Regionalwahlen, die jetzt im ganzen Jahr stattfinden werden. Insofern, sollten diese Wahl oder die nächsten Wahlen alle verlorengehen, kann das die Regierung destabilisieren. Auf der anderen Seite könnte natürlich auch genau das heißen, dass man vor Neuwahlen zurückschreckt und sich zusammenrauft."

(uko)

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