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Interview | Beitrag vom 10.12.2019

Regierungswechsel in FinnlandDie Politik wird jung und weiblich

Madeleine Hofmann im Gespräch mit Julius Stucke

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Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin während des Besuches im Präsidentenpalast. (picture alliance / Lehtikuva / Jussi Nukari)
Die neue finnische Regierung mit Sanna Marin an der Spitze. (picture alliance / Lehtikuva / Jussi Nukari)

Angesicht des Wechsels in der finnischen Regierung hin zu jungen Politikerinnen unterhalb der 40 fordert die Autorin Madeleine Hofmann auch ein Umdenken in Deutschland. Der Schritt hin zu einer größeren Teilhabe der Jugend sei notwendig.

Das Kabinett hat zugestimmt und damit steht die neue Regierung in Finnland, wobei es gleich zwei Besonderheiten gibt: In den Spitzenämtern sitzen dort nun überwiegend junge Frauen und die neue Regierungschefin Sanna Marin ist mit 34 Jahren die derzeit jüngste Ministerpräsidentin der Welt. Diese Entwicklung sorgt für Aufmerksamkeit in der Welt. Sanna Marin ist gerade vier Jahre im Parlament und schon ganz oben in der Politik. Die Sozialdemokratin wird künftig eine Fünf-Parteien-Koalition leiten und hinzu kommt: Die vier anderen Koalitionsparteien werden auch von Frauen angeführt, drei davon sind Anfang 30. Zeigt also Finnland jetzt, wie es geht in der Politik? -

Ein Urgestein in der deutschen Politik ist da skeptisch. Wolfgang Thierse sagte dazu im Deutschlandfunk Kultur: "Jugend ist nicht automatisch ein Verdienst und eine Qualität. Alt zu werden, ist schon ein Verdienst, aber jung zu sein, ist es noch nicht." Zu hören in diesem Ausschnitt:

Doch was eigentlich heißt jung? Sind die "Jungen" in der Politik nicht längst überall? In Neuseeland regiert die 37-jährige Jacinda Ardern, in Irland der 38-järige Leo Varadkar und in Österreich sucht der 33-jährige Sebastian Kurz gerade wieder nach einer neuen Regierung. Und in Deutschland gibt es gerade nicht wenige, die dem vor wenigen Tagen zum stellvertretenden SPD-Vorsitzenden gewählten Kevin Kühnert eine große Zukunft prognostizieren. Kühnert ist 30.

Ältere weichen oft nur mit Verzögerungen

Für die Journalistin und Botschafterin der Stiftung Generationengerechtigkeit, Madeleine Hofmann, zeigt die Debatte um Kühnert, dass es eben noch immer nicht normal ist, Junge und Jüngere an der Macht teilhaben zu lassen oder sie in die Verantwortung zu nehmen.

"Natürlich muss jemand weichen, damit Junge nachrücken können", sagte Madeleine Hofmann. Dass aber genau das nur mit Verzögerung passiere, sei ein Beleg dafür, wie schwierig dieser Weg hin zu einer größeren Teilhabe der Jugend ist.

Wichtig ist, dass viele Altersgruppen vertreten sind

"Wichtig wäre es doch, dass es viele verschiedene Altersgruppen in der Politik gibt", so die Autorin des Buches "Macht Platz" in dem sich Madeleine Hofmann mit Vorurteilen gegenüber der Jugend und der Dominanz der Alten in der Politik beschäftigt. "Es braucht ein stärkeres Miteinander, weil die Jugend eindeutig unterrepräsentiert ist." Diese Teilhabe der Jugend brauche es schon deshalb dringend, weil eben nur die Jugend auch den Blick dafür habe, was unsere heutigen Entscheidungen auch für ihre Zukunft bedeute.

Hofmann räumt aber auch ein: Dieses "Mehr" an Jugend bedeute nicht automatisch, dass dann auch pauschal alles besser wird. "Jung ist nicht gleich Jung", so die Journalistin, denn eine einheitliche Politik der Jugend gebe es natürlich nicht. 

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