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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.05.2011

Regen und rollende Ruderbänke

Robert Louis Stevenson: "Das Licht der Flüsse", Aufbau Verlag, 176 Seiten

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Stevenson berichtet von Begegnungen während seiner Kanutour. (AP)
Stevenson berichtet von Begegnungen während seiner Kanutour. (AP)

"Das Licht der Flüsse" ist das Debüt des späterhin weltbekannten Robert Luis Stevenson. Drei Wochen paddelte er mit einem Freund 1876 durch Belgien und Frankreich. Stevenson berichtet von entrückten Orten und komischen Begegnungen.

Geschickter kann man eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere wohl kaum beginnen: Mit einem charmanten kleinen Reisebuch, das die Erwartungen für die Zukunft im Rahmen hält, durch seine Leichtigkeit und seinen Witz aber jeden Wohlmeinenden für sich einnimmt. Umso erstaunlicher, dass "Das Licht der Flüsse", das Debüt des späterhin weltbekannten Robert Louis Stevenson, erst jetzt auf Deutsch vorliegt.

Drei Wochen lang sind Stevenson und sein Freund Walter Simpson im Jahr 1876 von Antwerpen aus durch Belgien und Frankreich bis kurz vor Paris gepaddelt, über die Schelde, den Willebroek-Kanal, auf der Sambre und der Oise und schließlich über die Saône und die Rhône. Es ist Ende August und überraschend regnerisch.

Das aber tut der Abenteuerlust keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Von unerschütterlicher Zuversicht gibt sich Stevenson überzeugt, dass schlechtes Wetter die Sinne schärft und den Geist frisch hält. Als später dann das Wetter besser wird, beginnt der Geist zu wandern und zu entschweben, die beiden Reisenden paddeln sich in Trance. Stevenson fühlt sich dem Nirwana nahe, einem Zustand, meint er, wie ihn Buddhisten anstreben: "der große Gewinn unserer Reise."

In der Zwischenzeit aber widerfährt den beiden Abenteurern so manches. Touristen ist man zu jener Zeit und in jener Gegend nicht gewohnt, so hält man Stevenson und Simpson schon mal für Hausierer und verweigert ihnen die Unterkunft. Ihr hochmoderner "Ätna-Spirituskocher" erweist sich schnell als unbrauchbar, und irgendwann wirft ein Baum den Schriftsteller aus seinem Boot.

Meist aber verlaufen die Begegnungen mit den Einheimischen freundlich und vergnügt, ja die beiden gelten als Kuriosität und werden samt ihrer mit einem kleinen Segel versehenen Kanus gerne bestaunt. Da kann es passieren, dass sich ein ganzes Dorf zu ihrer Abfahrt am Ufer versammelt und ihnen zum Abschied winkt. Einmal auch treffen sie auf belgische Wassersportler, die gar nicht mehr aufhören wollen, mit ihnen über rollende Ruderbänke zu fachsimpeln.

Zwar lautet der Titel dieses Buches im Original weitaus prosaischer "An Inland Journey". "Das Licht der Flüsse" aber trifft den Inhalt dieses Debüts, seinen ruhigen Zauber sehr gut. Nach der Lektüre ist die Verwunderung darüber, dass dieses Kleinod erst jetzt übersetzt wurde, größer noch als zuvor.

Besprochen von Tobias Lehmkuhl

Robert Louis Stevenson: Das Licht der Flüsse
Übersetzt von Alexander Pechmann
Aufbau Verlag, Berlin 2011
176 Seiten, 14,95 Euro

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