Seit 03:05 Uhr Tonart
Samstag, 16.01.2021
 
Seit 03:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 05.12.2018

"Red Dead Redemption 2"Computerspieler, die Feministinnen töten

Harald Koberg im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Podcast abonnieren
Mehrere Exemplare des Computerspiels "Red Dead Redemption 2" stehen in einem Regal (ZUMA Press/Imago)
Verspricht eine Spielewelt, in der alles möglich ist: "Red Dead Redemption 2" (ZUMA Press/Imago)

In "Red Dead Redemption 2" können Spieler als Cowboys Feministinnen ermorden. Einige haben das getan, gefilmt und auf Youtube gestellt. Dort lassen sie sich von Frauenfeinden feiern. Vom Spiel sei dies nicht so gewollt, sagt ein Kulturanthropologe.

Auf Youtube verbreitet sich momentan ein Video, in dem ein abgehalfterter Cowboy zu sehen ist, der Feministinnen fängt und an Alligatoren verfüttert oder sie lebendig verbrennt. Es sind keine Szenen aus einem Film, sondern aus dem Spiel "Red Dead Redemption 2". 

Darin kann ein Spieler mit dem Cowboy die Westernwelt erkunden, reiten, jagen und eben unmoralische Dinge tun. Doch dass dafür der Spielehersteller Rockstar schuld sei, lehnt der Kulturanthropologe Harald Koberg von der Universität Graz ab. Er sagt: "Man sollte die Verantwortung bei den Personen suchen, die das zu Unterhaltungsvideos auf Youtube machen."

Nicht das erste Rockstar-Skandalspiel

Denn der Youtuber habe sich unter Tausenden Charakteren die Frau herausgesucht und angegriffen. "Weil er selber etwas dagegen hat oder weil er weiß, dass er ein Publikum damit finden könnte." Vom Spiel sei dies in keiner Weise so gewollt, sagt Harald Koberg. Niemand werde aufgefordert, die Feministinnen zu ermorden. "Vielleicht das Negativste ist, dass dies auf Youtube johlenden Beifall findet."

Doch der Hersteller Rockstar ist nicht unumstritten. Immer wieder sorgen Szenen aus dessen Spielen für kleine Skandale. So mussten Spieler in "Grand Theft Auto" einen Mann foltern, um ein Geheimnis zu erfahren. Doch habe das einen moralischen Grund gehabt.

Denn im weiteren Verlauf des Spiels wird klar, das Foltern war zwecklos und hat den Spieler nicht weitergebracht. Rockstar erlaube Spielern so, über ihre falschen Entscheidungen nachzudenken. "Wenn mir diese Szene nahegeht, wie sie Menschen nahegehen sollte, kann das auch ein Erlebnis sein, dass jemanden darin bekräftigt, dass Folter eine höchstproblematische Praxis ist."

(nsc)

Mehr zum Thema

Sea Hero Quest - Computerspiel für bessere Demenz-Diagnosen
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 08.11.2018)

Antifaschismus im Computerspiel - Widerstand ohne martialisches Geballer
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 24.09.2018)

Computerspiel "Lovers in A Dangerous Spacetime" - Komm, wir retten gemeinsam die Liebe!
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 14.07.2018)

Fazit

Theater im LockdownKeine Vorstellungen bis Ostern
Blick in den Saal des Opernhaus im Staatstheater Nürnberg - die Ränge sind leer. (picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

Theater und Opern sollen zumindest in einigen Städten bis Ostern geschlossen bleiben. Das stellt die Theater vor Herausforderungen, sagt Carsten Brosda, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Hamburgs Kultursenator.Mehr

Zum Tod von Siegfried FischbacherErfinder raffinierter Fantasiewelten
Siegfried (l.) und Roy bei einem Fernsehauftritt mit Ihren weißen Tigern im Juni 1987. (imago images / Horst Galuschka)

Als Teil des Magierduos "Siegfried und Roy" war er mit seinem Partner weltberühmt - nun ist der Zauberer und Künstler Siegfried Fischbacher im Alter von 81 Jahren gestorben. Die Zauberei sei für ihn ein Fluchtpunkt aus dem grauen Nachkriegsdeutschland gewesen, sagt der Filmproduzent Nico Hofmann.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur