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Interview | Beitrag vom 16.07.2019

Rechtsstreit um WartezeitenEin Gastwirt gegen Google

Tobias Krone im Gespräch mit Julius Stucke

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Gastwirt Peter Hubert in Trachtenjacke im Gastraum seines Tegernseer Bräustüberls. (imago / Weißfuß)
Kämpferischer Gastronom: "David" Peter Hubert nimmt es mit "Goliath" Google auf. (imago / Weißfuß)

Übertreibt Google Maps bei der Angabe der Wartezeiten im Tegernseer Bräustüberl? Das meint der Wirt und hat den Internetkonzern verklagt. Er könnte erreichen, was viele vergeblich versucht haben – dass Google seinen Algorithmus offenlegen muss.

Wer ins Restaurant oder die Kneipe gehen will, googelt davor gern mal sicherheitshalber, wie voll es dort eigentlich ist. Denn Google Maps macht auch Angaben über Stoß- und Wartezeiten.

In seinem Fall falsche, meint Peter Hubert, Wirt des "Bräustüberls Tegernsee", einem großen Ausflugslokal mit 1500 Plätzen am gleichnamigen See. Schon 2017 hätten ihn Gäste darauf angesprochen, dass es laut Google gerade eigentlich richtig gut besucht sein müsse, es faktisch aber gar nicht voll gewesen sei. Oder Folgendes:

"Google sagt mir: 15 Minuten Wartezeit bei mäßig besuchtem Biergarten. Gut, es ist richtig: Mäßig besucht sind wir. Für 11 Uhr sogar ganz gut. Aber 15 Minuten Wartezeit ist also nicht ganz richtig."

Googles Antwort: Service-Links

Nach eigenen Angaben hat Peter Hubert immer wieder versucht, mit Google Kontakt aufzunehmen. Aber auf seine Beschwerdemails seien ihm immer nur Service-Links zugeschickt worden. Das habe ihn dann zusätzlich frustriert. Jetzt hat der Wirt gegen Google vor dem Landgericht München Klage eingereicht.

 Ein Smartphone mit einer Google-Anzeige wird vor das Bräustüberl am Tegernsee gehalten. Der Wirt des Herzoglichen Bräustüberls Tegernsee wehrt sich gegen Google. Der Internetriese hat einen Stoßzeitenchart mit Wartezeiten angegeben, die dem Wirt zufolge nicht stimmen. (dpa/ picture alliance / Peter Kneffel)Bräustüberl gegen Google: Sitzplatzstreit am Tegernsee (dpa/ picture alliance / Peter Kneffel)
Und hat dabei nach Ansicht unseres Korrespondenten Tobias Krone durchaus Chancen. Weil es völlig unklar sei, was bei Google mit Wartezeiten gemeint sei:

"Denn wenn man jetzt denkt, okay, ich warte 15 Minuten auf die Kellernerin, dann würde ich da wahrscheinlich nicht hingehen. 15 Minuten aufs Essen warten, wäre dagegen natürlich okay."

"Die müssen ein Stück weit ihre Technologie offenlegen"

Vor allem müsse Google jetzt nachweisen, wie es zu der Statistik komme. "Das heißt, die müssen ein Stück weit ihre hoch geheime Technologie offenlegen", so Krone.

Nachdem verschiedene Medien über den Fall berichtet hätten, sei die Grafik mit den Wartezeiten bei Google jetzt erst einmal verschwunden. "Peter Hubert will trotzdem klagen. Denn er will, dass diese Statistik nicht mehr bei ihm auftaucht."

(uko)

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