Seit 22:03 Uhr Freispiel

Donnerstag, 12.12.2019
 
Seit 22:03 Uhr Freispiel

Interview / Archiv | Beitrag vom 08.06.2018

Rechtsrock-Festival in ThüringenNeonazi-Auftritte werden per Gericht erlaubt

Henry Bernhard im Gespräch mit Dieter Kassel

Podcast abonnieren
Glatzköpfiger Besucher eines Rechtsrock-Konzert im thüringischen Themar trägt eine Bomberjacke mit "Deutschland-"Aufdruck  (Imago)
Im vergangenen Jahr machte der kleine Ort Themar in Thüringen wegen des Neonazi-Festivals bereits Schlagzeilen. (Imago)

"Sieg Heil!"-Rufe, hetzerische Reden, Neonazi-Rock: 6000 Rechtsradikale kamen 2017 ins thüringische Themar. In diesem Jahr versuchte der Landkreis, die Veranstaltung zu verbieten - vergebens. Unser Landeskorrespondent Henry Bernhard erklärt die Hintergründe.

Die Chancen, das Neonazi-Festival  zu untersagen, seien von Anfang an nicht besonders groß gewesen, so Bernhard. Das Naturschutz-Argument, neben dem Veranstaltungsgelände nisteten seltene Vögel, habe das Oberverwaltungsgericht Weimar nicht gelten lassen: "Dummerweise ist es ja wirklich als politische Veranstaltung organisiert, obwohl es eigentlich ein Rockfestival ist. Dadurch genießt es besonderen Schutz durch die Verfassung und muss wenig Auflagen hinnehmen - und trotzdem werden 45 Euro Eintritt genommen."

Rechtsextreme wollen Kräfte bündeln

Also würden in dem kleinen Ort Themar heute und am Samstag viele Rechtsrockbands auftreten; es würden aber auch Reden und Vorträge von Rechstextremisten aus der NPD und der Partei Die Rechte gehalten: "Man will die Kräfte bündeln, nachdem die AfD den Rechten die Wähler auch absaugt. Die Rechtsextremen haben Angst, in die politische Bedeutungslosigkeit abzusinken, deshalb macht man dort politische Veranstaltungen."

Zwar werde es wie im vergangenen Jahr auch diesmal wieder Proteste geben, sagt Bernhard. Aber der Organisator Tommy Frenck, ein bekennender Neonazi, habe bei der jüngsten Kommunalwahl 16 Prozent bekommen, in Themar 20 - und in manchen Orten ringsum bis zu 44 Prozent: "Man kann also auch sehen: Das Ganze fällt auf nicht unbedingt unfruchtbaren Boden dort." (bth)

Mehr zum Thema

Strategien gegen Nazi-Konzerte in Thüringen - "Hass und Kommerz"
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 6.2.2018)

Thüringen rechtsaußen - Neonazis erobern ein Dorf
(Deutschlandfunk Kultur, Die Reportage, 15.10.2017)

Thüringen - Protest gegen Rechtsrock
(Deutschlandfunk, Deutschland heute, 17.7.2017)

Interview

LichtverschmutzungWeniger Licht kann mehr sein
Skyline und Messe in Frankfurt am Main bei Nacht: Bürohäuser mit leuchtenden Fenstern sowie hell erleuchtete Straßen (imago/ imagebroker/ Andreas Mechmann)

Draußen wird es immer früher dunkel, denn bald ist der kürzeste Tag des Jahres. Das wenige Licht mache depressiv, sagen manche. Die Biologin Annette Krop-Benesch sagt dagegen: Wir haben zu viel Licht. Manche Straßenlampe könnte nachts ausgeschaltet werden.Mehr

Wahl in GroßbritannienRapper Stormzy wirbt für Labour
Der englische Rapper Stormzy mit einem Union Jack auf der Weste, beim Auftritt auf der Bühne des Glastonbury Festivals. (picture alliance / Photoshot)

Stormzy macht Labour Hoffnung. Der derzeit erfolgreichste Rapper auf der Insel ist ein Anhänger Jeremy Corbyns und erklärter Gegner von Boris Johnson. Deutschlandfunk-Redakteur Axel Rahmlow aber hält den Unterstützungseffekt für gering.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur