Rechtspopulismus

    Warum Le Pen von Corona profitiert und die AfD nicht

    05:28 Minuten
    Porträt der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen während einer Rede vor einem Mikrofon.
    Die Coronakrise hat Marine Le Pens Umfragewerte gefährlich in die Nähe von denen Präsident Macrons gebracht. © picture alliance / dpa / MAXPPP / Pierre Teyssot
    Liane Bednarz im Gespräch mit Anke Schaefer · 02.02.2021
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    In Frankreich profitieren die Rechtspopulisten um Marine Le Pen derzeit enorm vom Corona-Frust der Bürger. Der AfD hingegen gelingt das nicht. Das hat auch mit ihrem unklaren Verhältnis zur Querdenker-Bewegung zu tun, sagt Liane Bednarz.
    Stünde in Frankreich die Präsidentschaftswahl unmittelbar vor der Tür, müsste sich Staatspräsident Emmanuel Macron durchaus Sorgen um seine Wiederwahl machen. Denn einer aktuellen Umfrage zufolge im Auftrag der Zeitung "Le Parisien" ist ihm die Rechtspopulistin Marine Le Pen in der Wählergunst gefährlich nahe gekommen: So würden derzeit in einer Stichwahl 48 Prozent der Wähler für Le Pen stimmen und für Macron 52 Prozent.
    Le Pen profitiert dabei vom Corona-Frust vieler Bürger angesichts von immer neuen Beschränkungen des Alltags. Le Pens gute Umfragewerte scheinen offenbar auch dazu geführt zu haben, dass die Nerven bei Präsident Macron blank liegen, wie die Publizistin Liane Bednarz meint.
    Als Beispiel führt sie die Ankündigung eines neuerlichen harten Lockdowns durch Macrons Regierungssprecher an, von dem später wieder Abstand genommen wurde. "Aus Angst vor Le Pen." Die mache da sehr viel Druck und adressiere damit auch "kleinen Leute, die sich Sorgen machen", zum Beispiel Selbstständige, die befürchten, ihre Existenz zu verlieren.
    Und da Macron ohnehin in Teilen der Bevölkerung als zu elitär wahrgenommen werden, versuche dieser, "zumindest diesen Eindruck jetzt nicht dadurch weiter zu verfestigen, dass er quasi a gusto neue Lockdowns anordnet", sagt Bednarz.

    "Die AfD hat dieses Thema verpasst"

    Während die Publizistin damit rechnet, dass die französischen Rechtspopulisten auch weiterhin von der Coronakrise profitieren werden, sieht sie diese Gefahr für Deutschland nicht. "Die AfD hat dieses Thema wirklich verpasst."
    Vor allem wegen der Nähe von Teilen der Partei zur sogenannten Querdenker-Bewegung: Denn eigentlich stelle sich die Rechte ja gern als Leute von "Disziplin, Kargheit, Verzicht, Preußentum" dar, so Bednarz. "Also hätte man meinen können, dass sie jetzt auch in einer Pandemie, einer nationalen Krise zusammen stehen, Verzicht predigen und nicht auf Pseudorebellen gegen Schutzmaßnahmen machen."
    Doch so könne die AfD jetzt auch keine Kritik, etwa an der Impfpolitik der EU, legitimerweise geltend machen, "weil sie die ganze Zeit ja schon Stimmung gegen die Schutzmaßnahmen macht".
    (uko)

    Liane Bednarz ist Publizistin und promovierte Juristin mit dem Schwerpunkt Neue Rechte, Populismus und religiöse Bewegungen. Ihr Studium absolvierte sie in Passau, Genf und Heidelberg. Sie ist regelmäßige Gastkommentatorin beim SPIEGEL und betreibt gemeinsam mit dem Publizisten Alan Posener den Blog "Starke Meinungen". Weitere Texte wurden in der NZZ, der FAS und dem "Freitag" publiziert. Im Frühjahr 2018 erschien im Droemer Verlag ihr Buch "Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern".

    Die ganze Sendung "Der Tag mit Liane Bednarz" hier zum Nachhören:
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