Rechtschreibreform nicht überall
In der Sache macht es durchaus Sinn abzuwarten bis der Rat für Rechtschreibung seine Überarbeitung der Rechtschreibreform abgeschlossen hat und die reformierte Reform dann in allen Teilen verbindlich in Kraft zu setzen. Es wäre ganz sicher keine Katastrophe, wenn dies erst im nächsten Jahr geschehen würde und nicht am 1. August.
Aber die Kultusministerkonferenz, kurz KMK, hat Anfang Juni einstimmig, das heißt mit den Stimmen der Bayerns und Nordrhein Westfalens etwas anderes beschlossen und dafür den Segen der Ministerpräsidenten bekommen: die unstrittigen Regeln sind ab 1. August verbindlich , bei den strittigen Bestimmungen hingegen sind alte und neue Schreibweise nebeneinander erlaubt bis der Rat für Rechtschreibung seine Vorschläge vorgelegt und die KMK sie für gut befunden hat. Zwei Wochen vor dem Stichtag auszuscheren und zu signalisieren, dass das Wort von gestern heute nichts mehr gilt, ist starker Tobak und der eigentliche Skandal. Es stellt nicht nur die Verlässlichkeit der Ministerpräsidenten Bayerns und Nordrhein Westfalens in Frage, sondern ist zugleich ein Armutszeugnis des Föderalismus. Nicht föderalistische Prinzipienfestigkeit wird uns vorgeführt, sondern eine absurde und selbstherrliche Kleinstaaterei, die dem Föderalismus langfristig jede Glaubwürdigkeit nimmt. Zugleich wird die Kultusministerkonferenz brüskiert. Ihre Beschlüsse sind davon abhängig, dass man sich auf das Wort der Mitglieder verlassen kann. Wenn das nicht mehr garantiert ist, steht die ganze Einrichtung in Frage. Dass die beiden Unionsministerpräsidenten bei dieser Gelegenheit ihre eigenen Kultusminister auf so rüde Art desavouieren, ist bemerkenswert.
Der Verdacht, dass es in erster Linie darum geht, im Wahlkampf Punkte zu machen, liegt auf der Hand. Dieser wird ohne Rücksicht auf Schüler und Lehrer geführt und ohne einen Blick auf Österreich und die Schweiz zu werfen, die sich gründlich düpiert vorkommen müssen.
Den Beschluss der Kultusminister hinterrücks zu kippen, das ist nicht das Ringen um die beste Lösung, sondern Populismus pur. Die gute Nachricht: Stoiber und Rüttgers bleiben allein, ihr Kalkül, andere Unions-Länderchefs auf ihre Seite zu ziehen, ist nicht aufgegangen.
Seit vielen Jahren wird über die Rechtschreibreform gestritten wie über kaum etwas sonst in diesem Land. Ohne Zweifel enthält diese Reform viele Absonderlichkeiten, und deshalb ist es gut, dass sie vom Rat für Rechtschreibung überarbeitet wird. Schon allein dies erlaubt die Rückkehr zu Gelassenheit. Die Entscheidung, die unstrittigen Teile jetzt in Kraft zu setzen, mag man kritisieren, sie ist aber keinesfalls ein ausreichender Grund, den mühsam gefundenen Konsens aufs Spiel zu setzen und einen orthographischen Flickenteppich zu knüpfen.
Deutschland mit seiner Massenarbeitslosigkeit und den maroden Sozialsystemen hat ganz gewiss größere Sorgen als die Rechtschreibreform. Wenn ihre endlose Geschichte das Muster deutscher Reformpolitik insgesamt ist, dann gute Nacht Deutschland.
Der Verdacht, dass es in erster Linie darum geht, im Wahlkampf Punkte zu machen, liegt auf der Hand. Dieser wird ohne Rücksicht auf Schüler und Lehrer geführt und ohne einen Blick auf Österreich und die Schweiz zu werfen, die sich gründlich düpiert vorkommen müssen.
Den Beschluss der Kultusminister hinterrücks zu kippen, das ist nicht das Ringen um die beste Lösung, sondern Populismus pur. Die gute Nachricht: Stoiber und Rüttgers bleiben allein, ihr Kalkül, andere Unions-Länderchefs auf ihre Seite zu ziehen, ist nicht aufgegangen.
Seit vielen Jahren wird über die Rechtschreibreform gestritten wie über kaum etwas sonst in diesem Land. Ohne Zweifel enthält diese Reform viele Absonderlichkeiten, und deshalb ist es gut, dass sie vom Rat für Rechtschreibung überarbeitet wird. Schon allein dies erlaubt die Rückkehr zu Gelassenheit. Die Entscheidung, die unstrittigen Teile jetzt in Kraft zu setzen, mag man kritisieren, sie ist aber keinesfalls ein ausreichender Grund, den mühsam gefundenen Konsens aufs Spiel zu setzen und einen orthographischen Flickenteppich zu knüpfen.
Deutschland mit seiner Massenarbeitslosigkeit und den maroden Sozialsystemen hat ganz gewiss größere Sorgen als die Rechtschreibreform. Wenn ihre endlose Geschichte das Muster deutscher Reformpolitik insgesamt ist, dann gute Nacht Deutschland.