Rechte an Songs

Jeder will ein Stück ab vom Musikkuchen

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Musikerin Diane Weigmann 2013 bei der Vorstellung ihres Albums "Kein unbeschriebenes Blatt" in Berlin.
Diane Weigmann singt selbst und ist Songwriterin. Sie begrüßt die Initiative der US-Songwriter, keine der Rechte mehr abzugeben, die ihnen zustehen. © picture alliance / Eventpress Hoensch
Diane Weigmann im Gespräch mit Martin Böttcher · 08.04.2021
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Es ist eine Ungerechtigkeit, dass Songwriter und Komponisten allzu oft ihre Rechte an Musikstücke abgeben sollen, findet die Sängerin Diane Weigmann. Dies werde nicht nur in den USA von Künstlern verlangt, sondern auch in Deutschland.
In den USA haben sich eine ganze Reihe von Songschreibern zur Gruppe "PACT" zusammengeschlossen. Ihre in einem offenen Brief formulierten Forderung: Musiker und Musikerinnen sollten aufhören, Songschreiber- oder Komponistenrechte an Songs zu fordern, die sie nicht geschrieben haben.
Hintergrund: Oft schreiben Stars ihre Songs nicht selbst, sondern kaufen sie ein. Trotzdem wollen sie laut "PACT" dann als Mitautoren oder Mitkomponisten genannt werden, denn diese Nennung bringt auch Geld ein.

Management und Verlage wollen Rechte

Diane Weigmann, selbst Sängerin und Songwriterin – auch im Auftrag anderer –, begrüßt, dass das Thema über den Umweg USA auch in Deutschland auf den Tisch komme. Sie sei selbst in der Komponistengruppe Verso: "Da geht es auch um die ein oder andere, ich nenn es mal liebevoll Unart, man kann aber auch böse Ungerechtigkeit sagen."
Es seien dabei nicht unbedingt die Stars, die sagten, sie wollten bei dem Song dabei sein. "Viel häufiger ist es in Deutschland so, dass die Managements der Stars oder die Verlage der Stars auf jeden Fall Verlagsrechte einfordern."
Auch sie sei schon damit konfrontiert gewesen und habe letztlich entschieden, nicht noch einmal für den betreffenden Verleger Songs zu schreiben. Sie vermutet, die Verlage würden das gar nicht als Betrug sehen, sondern als eine Art Provision.

Alle sind Täter, alle sind Opfer

"Alle hängen an einer Kette, irgendwie sind alle Täter und alle sind Opfer", so habe sie es empfunden, berichtet Weigmann. "Ich persönlich habe noch nicht erlebt, dass jemand, der gar nicht beteiligt war, Text- oder Musik-Credits haben wollte. Aber Standard ist, dass Du die Verlagsrechte abgibst, entweder an den, für den Du schreibst, oder für dessen Verlag Du schreibst."
Es gebe auch Konstellation, wo es o.k. sei, einen Teil der Credits abzugeben, mein Weigmann, die mit der Band "Lemonbabies" bekannt wurde. Aber eigentlich sollte jedem das zugeschrieben werden, was er geschrieben habe.
Oft sei es in der Praxis aber eine "stille Erpressung; es geht um eine Leistung, die derjenige nicht vollbracht hat", betont Weigmann. "Aber es sind oft nicht nur Künstler, sondern auch Verlage, die dazwischen hängen, Managements, die sich Verlagsanteile geben lassen. Wirklich jeder in der Musikbranche versucht, sein Stück vom Kuchen zu kriegen. Es ist schon ein ganz schönes Haifischbecken."
Sie kenne Menschen, die bei Liedern, die zum Hit wurden, fast alles weggegeben hätten: "Alle, wirklich alle, haben daran verdient, nur derjenige nicht, der's gemacht hat."

Chance im Bündnis der Rechteinhaber

"Ich glaube, der Zusammenschluss von Komponisten ist die einzige Chance, für Aufklärung zu sorgen, dass die Nachwuchskomponisten lernen, dass sie das nicht hinnehmen müssen, nur um gefühlt in ihrer Karriere einen Schritt weiterzukommen", sagt die Musikerin. Vieles werde gemacht, weil es schon immer gemacht wurde. "Das nehmen wir langsam nicht mehr hin."
(mfu)
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