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Fazit | Beitrag vom 03.05.2021

Reaktion auf Fabian Wolffs Essay über israelbezogenen Antisemitismus"Larmoyant und pubertär"

Gerald Beyrodt im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Teilnehmer mit Plakaten vom Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus «Jachad» protestieren unter dem Motto «Kein Frieden mit den Feinden Israels» während der Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2019 an den Verein «Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost» am 09.03.2019, Göttingen.   (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
Die Ablehnung des BDS sei typisch deutsch, schreibt Fabian Wolff in seinem Essay. Er nennt dieses Phänomen "Anti-Antisemitismus". (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)

Der Journalist Fabian Wolff hat ein emotionales Essay zum Antisemitismus, speziell zum israelbezogenen Antisemitismus verfasst. Gerald Beyrodt, ebenso Journalist, fragt sich, woher die Wucht dieser Anklage kommt.

"Jüdisches Leben soll in Deutschland florieren. Dabei werden echte jüdische Werte permanent angegriffen – und zwar von denen, die Juden angeblich beschützen wollen." Das schreibt der Journalist Fabian Wolff zu Beginn seines Essays, den er in der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlicht hat.

Wolff greife in seinem Text eine Debatte auf, "die es in Deutschland tatsächlich gibt, eine Debatte um israelbezogenen Antisemitismus", erklärt der Journalist Gerald Beyrodt, der selbst jüdisch ist und im Deutschlandfunk Kultur die Sendung "Aus der jüdischen Welt" moderiert.

Israel-Boykotte und BDS

"Es gibt Menschen, die sagen, Israel-Boykotte gehen in Deutschland gar nicht, in dem Land, in dem es die Rufe 'Kauft nicht bei Juden' gegeben hat. Und auch der Deutsche Bundestag hat BDS, also 'Boycott, Divestment and Sanctions (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen)' als antisemitisch bezeichnet." Dagegen richte sich Wolff, er nenne dies "Anti-Antisemitismus". 

Man könne sehr wohl gleichzeitig Jude und gegen Israel sein, erkläre Wolff in seinem Essay, füge aber gleich hinzu, dass er diese Ansicht nicht so ganz teile. "Auf jeden Fall sei die Ablehnung von BDS typisch deutsch. Er spricht ein bisschen so, als wäre das eigentlich die einzige Position, die es in Deutschland gibt."

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Der Text lebe von diesem "Gegensatzpaar", so Beyrodt. Wolff beziehe sich sehr stark auf sympathische Juden, "also auf diese linken Juden und diese unsympathischen Deutschen". "Dass es natürlich auch viele Juden und gerade in Deutschland viele Juden gibt, die BDS ablehnen, das unterschlägt er ein bisschen."

Eine sehr persönliche, emotionale Anklage

Für Beyrodt hat der Text einen "Ton der Klage oder Anklage", er behandle stark Wolffs eigene Gefühle. "Hier geht ja es nun nur darum, dass ihm die Thesen dieser Leute, die er da ‚Anti-Antisemiten’ nennt, nicht so richtig gefallen." Und obwohl Beyrodt ihm diese Meinung gar nicht streitig machen wolle, werde ihm nicht so richtig klar, woher die Wucht dieser Klage komme. "Insofern finde ich das tatsächlich larmoyant und auch ein bisschen pubertär."

(kpa)

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