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Fazit | Beitrag vom 21.07.2021

Raumplanung und KlimawandelKeine Pläne in der Schublade

Stefan Greiving im Gespräch mit Marietta Schwarz

Ein Blick auf das zerstörte Ahrweiler nach dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz.  (picture alliance / AA / Abdulhamid Hosbas)
Widerstandsfähige Strukturen vorwegdenken: Schäden in Ahrweiler. (picture alliance / AA / Abdulhamid Hosbas)

Beim Wiederaufbau überschwemmter Ortschaften wäre es sinnvoll, die künftigen Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen. Der Raumplaner Stefan Greiving weiß, was zu tun ist - und auch, warum das nur sehr schwer durchzusetzen ist.

Durch die Überschwemmungen in zahlreichen Regionen Deutschlands ist riesiger Schaden entstanden - Brücken, Häuser und Straßen müssen wiederaufgebaut werden. Es gebe nun die Chance, das besser als in der Vergangenheit zu machen, sagt Stefan Greiving, Professor für Raumplanung an der TU in Dortmund. "Das würde voraussetzen, dass man den Willen dazu hat."

Auch ein Siedlungsrückzug ist denkbar 

In der Vergangenheit sei der Wiederaufbau nach solchen Wetterereignissen nicht wirklich genutzt worden, sagt Greiving. "Es ist durchaus denkbar, Standorte, an denen sich jetzt nachweislich Risiken für Leib und Leben abgezeichnet haben, nicht baulich wieder zu nutzen, also zu weichen - Siedlungsrückzug." Ein solcher Schritt sei aber politisch und auch für die Betroffenen schwierig, weil dort Jahrzehnte oder Jahrhunderte gesiedelt worden sei.

Die Planungsprozesse in Deutschland seien bekanntlich nicht die effizientesten, vor allem, was die Dauer angehe, kritisiert der Raumplaner: "Wir haben keine Pläne in der Schublade, die wir jetzt herausziehen können, um Baugenehmigungen an anderen Standorten zu erteilen." Das gleiche gelte für neue Bauweisen. Die nun zerstörten Häuser genössen hingegen Bestandsschutz "und dürfen wieder aufgebaut werden an der Stelle, an der sie vorher gestanden haben". Dass dies nicht die beste aller Lösungen sei, sollte jedem klar sein.

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In Neubausiedlungen könne das Prinzip der wassersensiblen Stadtentwicklung von Anfang an berücksichtigt werden, sagt Greiving. "Es ist kein Zufall, dass bei den meisten Starkregenereignissen eher die Altbaubestände betroffen sind." Diese seien eine große Herausforderung.

Wunsch nach schnellem Wiederaufbau

Aus Sicht der Bevölkerung stehe jetzt ein möglichst schneller Wiederaufbau der Häuser, der zerstörten Infrastruktur und des Lebensumfeldes im Vordergrund: "Das sind natürlich Zielkonflikte." Man müsse deshalb versuchen, im Sinne eines langfristigen Umbaus der Städte widerstandsfähige Strukturen vorwegzudenken. Doch Greiving fürchtet, "dass auch dieses Mal die Gelegenheit nicht in Gänze genutzt wird, die Strukturen grundlegend zu verändern".

(gem)

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