"Dschungelcamp"-Rauswurf

Quote machen mit Rassismus

06:04 Minuten
Die zwölf Kandidatinnen und Kandidaten des RTL "Dschungelcamps" nehmen in zwei Reihen Aufstellung vor grünen Palmwedeln.
Die Kandidatinnen und Kanditaten der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", v.o.l.: Eric Stehfest, Linda Nobat, Janina Youssefian, Filip Pavlovic, Jasmin Herren, Lucas Cordalis, Tara Tabitha, Peter Althof, Harald Glööckler, Anouschka Renzi, Manuel Flickinger und Tina Ruhland. © RTL
Jenni Zylka im Gespräch mit Ramona Westhof · 25.01.2022
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Eine rassistische Beleidigung führte zum Rauswurf einer Kandidatin aus dem "Dschungelcamp" von RTL. Die Journalistin Jenni Zylka sieht das Verhalten des Senders kritisch: Die Show habe "auf verlogenste Weise" von dem Aufsehen profitiert.
Nach einem Streit vor laufender Kamera musste eine Teilnehmerin der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" die Sendung vorzeitig verlassen. Janina Youssefian hatte ihre Gegenspielerin bei einer "Dschungelprüfung", Linda-Caroline Nobat, rassistisch beleidigt, indem sie auf Nobats dunkle Hautfarbe und damit verbundene Klischees und Vorurteile anspielte. RTL schloss Youssefian daraufhin von der weiteren Teilnahme aus und erklärte in der Sendung vor den versammelten Kandidatinnen und Kandidaten, dass "solche Äußerungen nicht toleriert werden können".

Ambivalentes Verhalten

Die Journalistin Jenni Zylka beurteilt das Verhalten des Senders dennoch kritisch: Statt die Angelegenheit mit Youssefian hinter der Kamera zu regeln, habe RTL den Vorfall im Sinne des Show-Formats "ausgeschlachtet". Die Szene mit dem Streit und der rassistischen Beleidigung sei in der Show mehrfach wiederholt worden. Auf diese Weise habe der Sender "die rassistische Bemerkung einerseits reproduziert und sich dabei andererseits darüber erhoben".
Zylka sieht darin "ein schwer ambivalentes Verhalten, das vom Rassismus zu profitieren versucht - und zwar mit Erfolg". Denn das Ziel, die Quoten der Sendung zu steigern, habe RTL damit erreicht: "Jetzt sprechen gerade alle über das Dschungelcamp, auch diejenigen, die die Sendung ansonsten ignorieren."

Verstörendes Weltbild

Das Trash-TV-Format des "Dschungelcamps" bestehe ja gerade darin, Menschen in entwürdigenden Momenten zu zeigen und vorzuführen, "wie sie ekelhafte Dinge tun und sich auf ekelhafte Weise streiten", sagt Zylka. Indem RTL die Konsequenzen aus Youssefians rassistischer Äußerung selbst zum Show-Ereignis machte, habe der Sender "auf die verlogenste Art und Weise davon profitiert", so Zylka.
Immerhin machten der Vorfall und die Diskussion darüber, die nun in verschiedenen Medien und sozialen Netzwerken entbrannt sei, vielleicht deutlich, wie tief Rassismus gesellschaftlich verwurzelt sei, hofft die Journalistin. Auf Twitter habe sich Youssefian von Rassismus distanziert und dabei unter anderem auf ihren eigenen Migrationshintergrund hingewiesen.
"Ich glaube ihr, dass sie keine Rassistin sein will", sagt Zylka - doch hinter der Beleidigung, die Youssefian nach eigenem Bekunden "herausgerutscht" sei, stehe ein "verstörendes Weltbild". Im besten Fall, meint die Kritikerin, trage die "unsägliche Geschichte" dazu bei, dass solche Dinge künftig nicht mehr passierten.
(fka)

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