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Rang I | Beitrag vom 25.07.2015

Ranga Shankara Theater in BangaloreNicht nur Bühne, sondern auch sozialer Treffpunkt

Ina Roß im Gespräch mit Susanne Burkhardt

In Bangalore finden regelmäßig große Theaterfestivals statt, wie hier mit der Aufführung von "King Lear" 2012.  (picture alliance / dpa / Jagadeesh)
In Bangalore finden regelmäßig große Theaterfestivals statt, wie hier mit der Aufführung von "King Lear" 2012. (picture alliance / dpa / Jagadeesh)

Bangalore ist als indisches Silicon Valley bekannt. In Künstlerkreisen ist Bangalore aber auch für das Theater "Ranga Shankara" bekannt. Ina Roß lehrt an der National School of Drama in Delhi und erklärt, warum die Bühne so bedeutend ist.

Fragt man künftige Schauspieler, Regisseure, Intendanten oder Stage-Designer in Indien nach dem Ranga Shankara Theater in Bangalore – dann gibt es kaum jemanden, der es nicht kennt. Hier wird Theater in drei verschiedenen Landessprachen gespielt – anders als auf den meisten indischen Bühnen, auf denen - als koloniales Erbe - vor allem Englisch gesprochen wird.

Getragen vom Engagement einer einzelnen Frau

Die Geschichte des Ranga Shankara ist nicht zu trennen vom Engagement einer einzelnen Frau: Arundhati Nag. Ohne sie wäre das Haus nicht denkbar, sagt Ina Ross. Sie lehrt Kunst-Management an der National School of Drama in Delhi, der Talentschmiede der Bollywood-Schauspieler, und hat die Gründerin besucht:

"Das Besondere an diesem Theater ist, dass Arundhati Nag diesen Traum hatte, ein Theater zu bauen - und das unter den wirklich widrigsten Umständen. Denn das war zu einer Zeit, als auch die Filmtheater alle schließen mussten. Die Fernsehkanäle wurden privatisiert, es gab eine Flut von neuen Entertainment-Angeboten, große Multiplex-Kinos kamen, und keiner wollte eigentlich ins Theater mehr gehen. Und trotzdem hat sie sich diesen Traum erfüllt."

Nag stamme nicht aus wohlhabenden Verhältnisse und habe das Haus "Rupie für Rupie" über einen langen Zeitraum und mit Unterstützung ihrer Theatergemeinde aufgebaut, schildert Roß. Als Witwe und alleinerziehende Mutter sei das besonders schwierig gewesen. Dabei sei die Theater-Macherin eine absolute "Überzeugungstäterin":

"Sie glaubt an die Kraft des Theater für die Gesellschaft. Sie glaubt daran, dass eine gute Gesellschaft ein Theater braucht."

Ein offenes Haus für politische Themen und als sozialer Treffpunkt

Wie auch sonst in Indien, würden im Ranga Shankara vor allem soziale und politische Themen auf der Bühne verhandelt. Dabei ginge es nicht so sehr darum,

"besonders ästhetische Formen oder neue Erzählweisen zu entwickeln, sondern es geht vor allem darum, Inhalte rüberzubringen, Geschichten zu erzählen, die die Leute aufrütteln, die die Leute verändern."

Neben diesen politischen Themen für Erwachsene gebe es am Ranga Shankara Theater auch einen Schwerpunkt Kindertheater, bei dem versucht werde, schon die Kleinsten an das Theater heranzuführen. Außerdem sei das Theater ein "offenes Haus", das nicht nur zu den Aufführungen, sondern den ganzen Tag über geöffnet habe.

So habe sich das Gebäude auch zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt, an dem man nicht nur Theater erleben könne. So gebe es dort einen Buchladen, wechselnde Ausstellungen und auch die Möglichkeit, seine Mahlzeiten im Ranga Shankara einzunehmen.

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