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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 07.01.2016

Ralf KönigSind Sie ein schwarzmalender Comic-Zeichner?

Moderation: Ulrike Timm

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Comiczeichner Ralf König signiert in Brüssel eine von ihm gemachte Wandmalerei.  (picture alliance / dpa / Stephanie Lecocq)
Comiczeichner Ralf König (picture alliance / dpa / Stephanie Lecocq)

Ralf Königs Comics leben von Sex und Tabubrüchen. Mit seinen Comics über religiöse Themen brachte er fromme Eiferer gegen sich auf. Jetzt hat sich der schwule Zeichner heterosexuelle Pornos als Thema vorgenommen und daraus ein Buch gemacht.

Seit mehr als 35 Jahren ist Ralf König der bekannteste schwule Comiczeichner Deutschlands. Seine Comics leben von Sex und Tabubrüchen. Er lässt sich aber auch für seine Comics von der Kulturgeschichte inspirieren, ist fasziniert von der Bibel und macht sich nicht erst seit den Terroranschlägen von Paris für Toleranz und gegen Rassismus stark.

Staatsanwälte haben versucht, seine Bücher über schwule Themen zu indizieren, Comics über religiöse Themen brachte fromme Eiferer auf die Barrikaden. Jüngst hat er mit "Pornstory" einen Band über Heteros und ihre Pornos veröffentlicht.

Er habe ein Buch darüber machen wollen, wie erniedrigend Frauen in Pornos dargestellt und behandelt werden, erzählt König im Deutschlandradio Kultur. "Ich weiß nicht, ob ein Hetero-Zeichner so ein Buch machen könnte, weil er ja parteiisch wäre." Als Schwuler sei er selbst hier aber außen vor. Ihn habe vor allem der Unterschied interessiert:

"Schwulen-Pornos sind so gut wie nie erniedrigend oder verachtend oder so. Wenn das so ist, dann ist das gewollt von beiden Seiten, da lässt sich der eine auf den anderen ein. Und das weiß man bei Hetero-Pornos, gerade bei dem Zeug, das man heutzutage im Internet findet, oft nicht."

Die "Pornstory" von Ralf König bei uns im Regieraum. (Deutschlandradio / M. Hucht)Die "Pornstory" von Ralf König bei uns im Regieraum. (Deutschlandradio / M. Hucht) 

Auch über den Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" spricht König. Veröffentlicht hat er damals nichts, erzählt er am Jahrestag des Attentats im Deutschlandradio Kultur. Zum einen seien damals jede Menge Kollegen da gewesen, "die sofort irgendwelche Cartoons herausgekloppt haben".

König: "Es war so ein seltsamer Druck, dass man das jetzt auch tun müsse, dass man, wenn man Cartoonist ist, irgendwas dazu zeichnen müsse - und da sah ich mich außer Stande."

Zum anderen habe das Telefon nicht mehr still gestanden: "Durch meine religionskritischen Bücher, die ich gemacht habe, war ich plötzlich DER religionskritische Zeichner im Land." Alle hätten mit ihn sprechen wollen. Er wäre dazu bereit gewesen - doch sein Agent habe ihn zurückgepfiffen, "weil er einfach Angst hatte vor Nachahmungstätern".

Insgesamt hätten ihn die Ereignisse zu einem traurigeren Zeichner gemacht: "Diese Einsicht, dass man nicht mehr zeichnen kann, was man will, dass Satire durchaus verfolgt und schlimm bestraft werden kann, dass religiöse Ideen sich so durchsetzen, dass man Angst haben muss, sich als Atheist zu outen - das finde ich schon ziemlich schlimm."

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