Aufrüstung

Braucht Deutschland einen Raketenabwehrschild?

07:11 Minuten
Ein Soldat der Flugabwehrraketengruppe 21 mit "Patriot"-System
Flugabwehrsysteme wie "Patriot" sind bereits im Einsatz und können feindliche Flugzeuge, Raketen und Marschflugkörper abschießen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Niklas Schörnig im Gespräch mit Axel Rahmlow · 28.03.2022
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Die Bundesregierung erwägt den Kauf eines eigenen Raketenabwehrsystems. Doch würde das mehr Sicherheit bringen? Der Politikwissenschaftler Niklas Schörnig ist skeptisch, sieht aber ein bestimmtes Maß an Aufrüstung als sinnvoll an.
"Wir müssen uns alle darauf vorbereiten, dass wir einen Nachbarn haben, der gegenwärtig bereit ist, Gewalt anzuwenden, um seine Interessen durchzusetzen", sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei Anne Will. "Deswegen müssen wir uns gemeinsam so stark machen, dass das unterbleibt." Konkret meinte er die Möglichkeit, ein Raketenabwehrsystem für Deutschland anzuschaffen.
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: den "Arrow 3" und "Iron Dome" aus Israel. Der Politikwissenschaftler Niklas Schörnig vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung sieht im "Iron Dome" keine Option, da dieser für Raketen und kleinere Flugkörper über kürzere Distanz geeignet ist. Das System "Arrow 3" hingegen sei für Mittelstreckenraketen. Allerdings seien Hyperschallraketen, wie sie Russland im Ukraine-Krieg einsetzt, mit Arrow 3 nicht abfangbar, denn diese fliegen tiefer als ballistische Raketen.

Kaum mehr Stabilität mit defensiven Systemen

Ist es überhaupt möglich, Deutschland flächendeckend gegen Raketen abzusichern? - Schörnig sagt nein: "Wenn Russland genug Raketen schickt, wäre das System überlastet."
Schörnig ist skeptisch, was einen nationalen Alleingang bei der Raketenabwehr angeht. Dieser müsse mit den NATO-Partnern abgesprochen sein. Doch ein "ein gewisses Maß an Verteidigungsfähigkeit" halte er "nicht für völlig falsch": "Man muss aber dann aus einer Situation unkontrollierten Rüstens wieder in eine Situation kommen, wo das Ganze in eine geregelte Bahn kommt."

Abschreckung als Grundlage für eine Kooperation

Der Kalte Krieg habe gezeigt, dass Abschreckung durchaus eine gemeinsame Festlegung auf Kooperation ist, "eine gewissermaßen perverse Form, aber die man als Zwischenstufe brauchte, um in die Abrüstung zu kommen", so Schörnig. Damals habe man aus Angst vor Unverwundbarkeit auf Raketenabwehr verzichtet. "Das ist eine sehr delikate Situation. Und Waffensysteme, nur weil man sie auf den ersten Blick als defensiv einordnen würde, müssen nicht zwingend zu mehr Stabilität führen."

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