Rafik Schami: „Das Mosaik der Frauen“
© Hanser Literaturverlage
Die Macht der Erinnerung
05:11 Minuten

Rafik Schami
Das Mosaik der FrauenHanser, München 2026304 Seiten
25,00 Euro
Der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami erzählt in seinem neuen Roman von unterschiedlichen Frauen und wie sie das Leben eines Mannes prägen. Ein warmherziger Roman über Liebe, Erinnerung und die Macht des Erzählens.
Elfmal hat er mit seinen Erzählabenden die Erde umkreist, schreibt Rafik Schami im Nachwort zu seinem neuen Roman. Denn seit 1982 war der Schriftsteller immer wieder unterwegs und hat das Publikum bei insgesamt 2820 Auftritten in seinen Bann gezogen. Er las nicht einfach aus einem seiner Bücher vor, sondern präsentierte seine Geschichten frei wie ein Kaffeehauserzähler.
In diesem Jahr feiert der Autor von Bestsellern wie „Eine Hand voller Sterne“ oder „Die dunkle Seite der Liebe“ seinen 80. Geburtstag und zum Jubiläum hat er beschlossen, mit seinen Tourneen aufzuhören, wenn es am schönsten ist. Ab sofort bleibt er an seinem Schreibtisch in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Marnheim. Aber auch von dort aus schillern Schamis Erzählkunst und sein neuer Roman „Das Mosaik der Frauen“ so lebendig wie eh und je.
Die Frauen seines Lebens
Vor mehr als 50 Jahren hat Rafik Schami seine Heimat Syrien verlassen – auf der Flucht vor Militärdienst, Zensur und zunehmender Repression des Assad-Regimes. Die Menschen, die Gerüche und Geschichten seiner Jugend in Damaskus hat er nie vergessen. Genau wie die beiden Erzähler in seinem neuen Buch. Der eine ist der Syrer Said Mardini, der seit Langem in Mannheim als Dolmetscher und Übersetzer lebt. Eines Tages wendet er sich an seinen alten Freund Klaus, der ein Herzzentrum leitet und den er schon lange nicht mehr gesehen hat, und bittet ihn, sich um einen besonderen Patienten zu kümmern.
Dieser alte Mann, Naim Suri, ist Kosmopolit: Sein Vater war Aramäer, seine Mutter Jüdin, er selbst ist von der arabischen Kultur geprägt, lebt aber seit Jahrzehnten in Deutschland. Naim ist Lyriker und Dolmetscher, war mit einer eigenen Firma erfolgreich und möchte nun – im Angesicht des nahenden Endes – von seinem Leben erzählen, vor allem von den Frauen, die ihn geprägt haben.
Da ist zunächst seine kluge, freigeistige Mutter Elisabeth, die ihn wie eine Freundin durch alle Höhen und Tiefen begleitet. Dann seine erste große Liebe Samira, die mit einem deutlich älteren Cousin verheiratet werden soll, der sie aus Eifersucht erschießt. Schließlich erzählt Naim von Hanan, seiner weltoffenen Vermieterin in seiner Zeit als junger Englischlehrer in der kleinen Stadt al-Schagara im Länderdreieck Syrien-Jordanien-Israel und von seiner Ehefrau Salma, die ihm das Leben rettet und sich für ihn opfert. Bis zuletzt die Krankenschwester Alexandra dafür sorgt, dass er sich noch einmal jung und lebendig fühlen kann.
Erzähler rebelliert gegen patriarchale Sitten
Jeden Tag erzählt Naim Suri seinem Landsmann von einer anderen Frau, jeder ist ein eigenes Kapitel gewidmet, sodass ein Mosaik aus Geschichten entsteht. Noch dazu sind viele Menschen, denen Naim im Laufe seines Lebens begegnet, selbst begabte Erzähler, sodass permanente Abschweifung das prägende Stilprinzip dieses Textes ist.
Der versierteste Erzähler ist natürlich Rafik Schami selbst, der elegant und beiläufig alle Ebenen zu einem stimmigen Gesamtbild verknüpft, in dem auch reichlich Zeit- und Kulturgeschichte lebendig wird. Denn in „Das Mosaik der Frauen“ geht es nicht nur um die (romantische) Liebe, sondern immer wieder auch um die Rolle der Frau in den jeweiligen Gesellschaftsstrukturen. Der Erzähler Said rebelliert schon als junger Mann gegen das Prinzip der Sippe mit ihren patriarchalen Sitten und Gebräuchen, die immerhin zwei seiner Lebensfrauen mit ihrem Leben bezahlen müssen.
Rafik Schami ist einmal mehr ein abenteuerlicher und warmherziger Roman gelungen und eine kunstvolle Verbeugung vor den Frauen dieser Welt.











