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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.11.2014

RAFAus der Mitte der Republik

Regisseur Andres Veiel über die Terrorgruppe und die Rätsel um den Mord an Alfred Herrhausen

Moderation: Britta Bürger

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Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen liest eine Firmenzeitung zu Beginn der Hauptversammlung der Daimler Benz AG am 28.06.1989 in Berlin. (picture-alliance / dpa / Roland Holschneider)
Vor 25 Jahren ermordet: der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Alfred Herrhausen (picture-alliance / dpa / Roland Holschneider)

Am 30. November 1989 wurde der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, bei einem Bombenattentat getötet. Der Regisseur des RAF-Films "Black Box BRD" über die Hintergründe der Tat - und den Rückhalt für die RAF in der Bevölkerung.

Der Regisseur des RAF-Films "Black Box BRD", Andres Veiel, hat an den großen Rückhalt für die Terrorgruppe in der Bevölkerung erinnert. Der RAF-Terror sei aus der Mitte der Republik gekommen, sagte Veiel. So hätten in der Anfangsphase der frühen 70er-Jahre in Umfragen 30 Prozent der 19- bis 28-Jährigen Sympathie für die Gruppe bekundet. Zu den Motiven der Roten Armee Fraktion sagte Veiel, die erste Generation habe in dem festen Glauben gehandelt, mit ihren Mitteln und Methoden ein besseres Land zu schaffen. Ihr Ziel sei gewesen, das Versagen der Elterngeneration während der Nazi-Zeit "auszumerzen", "es besser zu machen".

Mit Blick auf den Mord an Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen vor 25 Jahren sagte Veiel: Dass die Tat bis heute nicht aufgeklärt sei, habe damit zu tun, dass die letzte Generation der RAF aus den Fehlern ihrer Vorgänger gelernt habe. So seien sie unauffällig gereist und hätten keine Spuren hinterlassen. Auch die Präzision und technische Perfektion des Anschlags habe verhindert, dass man den Tätern auf die Spur kommen konnte. Diese Perfektion habe auch immer wieder zu Verschwörungstheorien geführt: "Es war offensichtlich, dass so eine Bombe nicht von ein paar Hobbybastler zu Hause im Keller konstruiert werden kann." Unter anderem führten Spuren in den Libanon, vielleicht, so Veiel, seien sogar Bestandteile der Bombe über Ost-Berlin "unter Aufsicht der Stasi" nach West-Deutschland gekommen. Es gebe Mittelsmänner und technische Unterstützung, der Rest sei noch immer in der Blackbox.

Alfred Herrhausen wurde am 30. November 1989 ermordet. Die RAF hatte in einem Bekennerschreiben die Verantwortung für den Anschlag übernommen. Die Täter wurden nie ermittelt.

 

Das Erste zeigt am Montag, den 1.12.2014, ab 23:30 Uhr einen Dokumentarfilm zum Attentat auf Alfred Herrenhausen, Titel: "Die Spur der Bombe".

Mehr zum Thema:

Ausstellung "RAF - Terroristische Gewalt" - "Wir dokumentieren vor allem die Zerstörung"(Deutschlandfunk, Kultur heute, 20.11.2014)

So tickte die RAF
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 13.06.2013)

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