Radio mit Bildern auf dem Handy

Von Achim Killer · 09.07.2008
Telefon, Internet, Radio und Fernsehen wachsen zusammen. So strahlt etwa der Stuttgarter Privatsender Big FM sein Programm über Radiowellen, das Internet und per UMTS aus. Und im Web und über Handy ist dann nicht nur Musik zu hören, sondern passend dazu gibt's noch Bilder, Videos und Tourneedaten.
"Sie drehen Ihr Display in die Horizontale. Sie drücken auf die TV-Taste. Dann suchen wir uns den Sender aus. In dem Fall: BigFM2see. Und dann kann's auch gleich schon losgehen."

Peter Beuler, Leiter New Business bei Radio BigFM hört sich das laufende Programm auf seinem Handy an. Zu seinem Job gehört es, neue Verbreitungswege und Geschäftsfelder für den Stuttgarter Privatsender zu erkunden. Ein ständiges Experiment. Aber die Hörerschaft kommt dem doch sehr entgegen:

"Ja, unsere Zielgruppe sind junge und junggebliebene Erwachsene zwischen 14 und 29, die sehr hedonistisch veranlagt ist. Sehr viele Early-Adopter. Sehr technik-affin, allem Neuen gegenüber sehr aufgeschlossen. Nichtsdestotrotz aber auch ein Stück weit oberflächlich in der Hinsicht, dass Lifestyle, Klatsch und Tratsch - erwachsene Bravo-Themen - eigentlich immer ein riesiges Thema sind."

Genaugenommen verdankt das Jugendradio seinen Namen der FM, der Frequenzmodulation, also der Ausstrahlung des Programms über Radiowellen. Allerdings lässt BigFM auch darüber hinaus keinen Verbreitungsweg ungenutzt, der sich neu auftut:

""Aktuell ist es so, dass wir natürlich übers FM ausstrahlen. On Top ist im letzten Jahr dazugekommen der Vertriebsweg über UMTS. In diesem Jahr ist dazugekommen der Vertriebsweg über DMB. Dazu auch schon seit einigen Jahren das Webradio."

Wirtschaftlich vielversprechend ist vor allem das Radio über den Breitband-Mobilfunk UMTS und über DMB, das Digital Multimedia Broadcasting. Beim DMB erweitert ein Chip in modernen Handys das Mobiltelefon zu einem digitalen Radioempfänger. Und digital, also über DMB und UMTS, lassen sich parallel zum Hörfunkprogramm auch Zusatzinformationen senden wie die Tourneedaten einer Musikgruppe, Bilder oder kleine Videos. Das macht Handy-Radios auch für zahlungskräftige Werbekunden attraktiv, die im Hörfunk keine Spots schalten, für die Kosmetik-Industrie beispielsweise.

"Kosmetik-Werbung arbeitet sehr stark mit visuellen Effekten, die im Radio nur relativ schwer zu transportieren sind. Über die zusätzliche Verbreitung mittels Handy-Radio, wo wir natürlich auch Videos zeigen können, erschließen sich da uns ganz neue Potentiale."

BigFM legt wert auf das Feedback seiner Hörer. Ständig werden die aufgefordert, über Musiktitel abzustimmen, Mails an die Moderatoren zu schreiben oder sich auf dem Internet-Forum des Senders anzumelden. Mitzumachen sei ein Bedürfnis moderner Mediennutzer, meint Peter Beuler. Vor allem aber bekommt BigFM so geldwerte Informationen über seine Hörer und kann ihnen - wenn er die entsprechende Mobilfunknummer kennt - gezielt Werbung aufs Handy schicken, etwa für Kosmetika.

"Zum Beispiel eine junge Frau zwischen 24 und 27 mit starker Affinität im Bereich Mode, die sich bei uns exklusiv angemeldet hat, um ständig Informationen in diesem Bereich zu erhalten, der können wir diese Werbung zeigen, nicht dem 23-jährigen Fußballspieler. Den wird die L'Oreal-Werbung stören."

Ein gewaltiger Aufwand ist nötig, um so multimedial wie BigFM zu senden. Im Keller unter dem Studio steht denn auch ein veritables Rechenzentrum: Hinter einem Steuerungs-PC stapeln sich Server und Festplattenspeicher. Peter Beuler beschreibt, wie die Computer die Handyradiodaten aufbereiten, bevor sie an das Dienstleistungsunternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) übertragen werden.

"Ja, was wir hier sehen, ist ein ganz normaler Windows-PC. Der greift über Browser auf zwei Datenbanken zu, zum einen auf die Bilddatenbank, in der die Bilddaten für BigFM2see abgelegt sind, zum anderen auf unseren Webstream. Beide Signale werden getrennt voneinander übergeben an den Encoder, der alles umrechnet zu einem Videostream. Dieser Videostream wird übergeben an die MFD, die dann unser DMB-Programm ausstrahlt."

Handyradio und -Fernsehen über DMB zu empfangen, ist heute schon preiswert möglich. Anders sieht das bei UMTS aus. Da muss Radiohören bezahlt werden wie ein Telefongespräch. Und das ist teuer:

"Ich würde tippen, für 'ne halbe Stunde fallen da sicher schon zwei bis drei Euro an Kosten an. Aber ich bin der Überzeugung, dass die Mobilfunkkosten nicht weiter steigen werden, sondern dass von uns jeder irgendwann eine Flatrate hat, die sich nicht auf Mobilfunk allein reduziert, sondern die das besagte Tripleplay ist. Das heißt wir werden das DSL, das Handy und das Festnetz pauschal bezahlen und dann nutzen können, wie wir das möchten."