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Kompressor | Beitrag vom 20.04.2021

"Radikale Zärtlichkeit" von Şeyda KurtMit Karl Marx im Zwiegespräch über Liebe

Moderation: Gesa Ufer

Eine junge Frau lächelt und blickt in die Kamera. Es ist die Journalistin Seyda Kurt. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Ist Liebe Arbeit? Diese Frage hat die Journalistin Şeyda Kurt in ihrem Buch Karl Marx gestellt. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Romantische Beziehungen sind durch Sexismus, Rassismus und Kapitalismus geprägt, sagt die Journalistin Şeyda Kurt. In ihrem ersten Buch arbeitet sie sich am Begriff der Liebe ab und plädiert stattdessen für ein anderes Konzept: zärtliches Handeln.

"Radikale Zärtlichkeit: Warum Liebe politisch ist" heißt das Buch der Journalistin Şeyda Kurt. Sie geht dabei von einem Unbehagen aus, das eigene politische Agieren von der intimen Sphäre zu trennen. Sie hält dem entgegen: "Es ist mein Anspruch, aus dem Unbehagen eine Unordnung zu stiften."Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Hintergrund ihres Buches sei die Überlegung gewesen, dass die Gesellschaft hauptsächlich über Unterdrückungsverhältnisse strukturiert sei. Doch gerade diese würden aus intimen Beziehungen herausgelassen. Kurt hat sie nun wieder dorthin zurückgebracht:

"Ich versuche, die Debatten, die wir über Antirassismus und intersektionalen Feminismus in den letzten Jahren führen – und die erfreulicherweise auch vor allem unter jungen Menschen sehr stark geworden sind –, mit in meine Beziehung zu tragen, weil es mir ein Anliegen ist, gewisse patriarchale Logiken zu dekonstruieren, die auch in der westeuropäischen Philosophie und Aufklärung sehr stark gemacht wurden", erläutert die Autorin.

Ein anderes Miteinander

Kurt versteht ihr Buch auch als politische Arbeit. Denn es gehe ihr darum, "patriarchale, rassistische und kapitalistische Tradierungen in der Liebe" deutlich zu machen. Die romantische Liebe wie auch der Kapitalismus hätten sich zwar durchgesetzt und seien dominant, doch sollten sie nicht als "unumstößlich" angenommen werden. Ein anderes Miteinander sei denkbar, unterstreicht Kurt. Deswegen habe sie in ihrem Buch auch ein fiktives Zwiegespräch mit Karl Marx über Liebe einfließen lassen – ohne indes dabei zu einer eindeutigen Antwort zu kommen.

Sie habe festgesellt, "dass es gar nicht so einfach ist, die Liebe – diese fünf ominösen, mystischen Buchstaben – von dieser Vorbelastung zu befreien". Trotzdem sei ihr Buch ein Angebot, um Handlungsmöglichkeiten und Ermächtigungen anzubieten, so Kurt. Dem Begriff der Liebe, an dem sie sich "abarbeitet", stelle sie den der Zärtlichkeit als Utopie entgegen. Sie plädiere dabei für einen "sprachlichen Neuanfang beim Thema Intimität und Zärtlichkeit". Wobei sie unter letztem "zärtliches Handeln" verstehe.

(rzr)

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