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Aus den Archiven | Beitrag vom 29.09.2018

Rache für den Prager FrühlingAngeklagt in der ČSSR

Von Bedrich Utitz

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Nach Protesten gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag brennt ein sowjetischer Panzer (imago/CTK Photo)
Nach Protesten gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag brennt ein sowjetischer Panzer (imago/CTK Photo)

Nach dem "Prager Frühling" im August 1968 nahm die kommunistische Partei Rache an jenen, die sich für einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" engagiert hatten.

Der langjährige Leiter der deutschsprachigen Sendungen von Radio Prag, Bedrich Utitz, beschäftigte sich 1972, wenige Jahre nach den Ereignissen um den Prager Frühling, in einer Sendung des Rias mit dem Schicksal der Aktivisten der Bewegung und mit deren Umgang durch die Kommunistische Partei. Utitz war zum Zeitpunkt der Sendung, 1972, aus der Tschechoslowakei geflohen und in die Bundesrepublik migriert.

Geboren wurde der Journalist in Wien und verbrachte seine Kindheit in Prag. Ihm gelang im Frühjahr 1939 nach dem Einmarsch der Deutschen die Flucht nach Palästina, wo er freiwillig bei der Tschechoslowakischen Exilarmee meldete und bei einem Kampfeinsatz in deutsche Gefangenschaft geriet. Er überlebte, kehrte im Oktober 1945 zurück nach Prag und arbeitete als Journalist in tschechoslowakischen Medien. Nach Ende der Stalinzeit gelang ihm dort auch der berufliche Aufstieg und er wurde Chefredakteur der Hauptredaktion für den Auslandshörfunk.

Im Sommer 1968 dann sprach er sich sehr deutlich gegen den Einmarsch der Warschauer-Vertragsarmeen in Prag aus und nannte das Vorgehen eine "zweite Okkupation". Wenig später migrierte er in die Bundesrepublik und arbeitet dort als Redakteur, Journalist, Übersetzer und Verleger. 

Angeklagt in der ČSSR - Rache für den Prager Frühling
Von Bedrich Utitz
Rias Berlin 1972
Vorgestellt von Michael Groth

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