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Quentin Tarantino: "Es war einmal in Hollywood“

Das Buch zum Film für Fans

06:09 Minuten
Das Cover von Quentin Tarantinos Buch "Es war einmal in Hollywood" auf orange-weißem Hintergrund.
Quentin Tarantino will nach seinem zehnten Film das Filmemachen lassen. "Es war einmal in Hollywood" liefert einen Vorgeschmack auf das, was dann kommen könnte. © Deutschlandradio / Kiepenheuer & Witsch
Von Fabian Wolff · 10.07.2021
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Filmemacher und Roman-Debütant Quentin Tarantino legt mit „Es war einmal in Hollywood“ das Buch zu seinem eigenen Film vor. Bei allem Talent für Dialoge und Plot zeigt er damit vor allem, was für ein großartiger Filmemacher er sein kann.
Quentin Tarantino hat viele Markenzeichen: Elaborierte Dialoge, interpunktiert von Gewalt; verwickelte Erzählstrukturen; sein Interesse an Füßen – und angekündigte Projekte, die er dann nie realisiert. Dazu gehört, dass er sich nach seinem zehnten Film von der Regie zurückzieht und nur noch Romane schreibt. Jetzt übt er schon einmal für seine Zweitkarriere und präsentiert den Roman zu seinem neunten Film: "Once Upon A Time In Hollywood".

Psychogramme von Hollywood-Typen

Beide spielen 1969, historischer Kontext ist der Übergang vom alten zum neuen Hollywood und die damals noch verlachte Parallelwelt der Fernsehserien. Der Schauspieler Rick Dalton, einst Held seiner eigenen Westernserie, hat nie den Sprung zum Filmstar geschafft und freut sich über Nebenrollen als Fernsehbösewicht.

Unterstützt, am Set und im Leben, wird er von seinem Stuntman Cliff Booth, einem kompetenten Einzelgänger, von dem es heißt, dass er seine Frau ermordet habe.
Tarantino entwirft mit ihnen die Psychogramme zweier Hollywood-Typen: Rick, mit Alkoholproblem und Erinnerungen an früheren Ruhm, schwankt zwischen Selbstüberschätzung und Selbstzweifeln, ein Künstler eben. Cliff ist Techniker, in sich ruhend, mit dem Potential zu großer, mörderischer Gewalt.

Die Morde der Manson-Bande

In diese merkwürdige Männerzweckbeziehung brechen die Morde der Manson-Bande: der ehemalige Zuhälter und Dealer Charles Manson stimmt auf einer Farm für Westerndrehs seine Gefolgschaft aus Teenager-Strandgut mit LSD und rassistischen Verschwörungstheorien auf einen kommenden Bürgerkrieg ein. Sie sollen ihn mit Morden an Hollywood pigs selbst einläuten, und dabei eigentlich nur Mansons alte Rechnungen mit der Entertainment-Industrie begleichen.
Im Film tauchte Manson selbst nur für wenige Sekunden auf, auch seine Familie zeigte sich erst im letzten Drittel. Im Roman sind sie von Anfang an tragende Figuren. Tarantino erzählt die ganze Hintergrundgeschichte, auch Mansons Traum, der neue Dylan zu werden, und bis heute nicht ganz geklärten Verbindungen zum Plattenproduzenten Terry Melcher.
In der Realität gehörte Sharon Tate, die schwangere Ehefrau von Roman Polanski, zu den Opfern von Manson. Ihre fast dialoglose Darstellung im Film wurde als weiteres Beispiel für stumme Hollywood-Schönheiten kritisiert – ungeachtet der Tatsache, dass Schauspielerin Margot Robbie es auch wortlos schaffte, aus ihr eine lebendige und starke Figur zu machen.
Die Passagen im Roman unterstreichen das poetische Konzept: Tarantino nähert sich dem realen Mordopfer mit großem Respekt, er will ihr keine Worte in den Mund legen, sondern sie nur zeigen, ohne in Voyeurismus zu verfallen.

Vor allem ein großartiger Filmemacher

Schon der Film spaltete das Publikum ganz bewusst, nicht nur entlang Fragen von Moral und Gewaltdarstellung. Wer bei Erinnerungen an Serien wie "Lancer" und "The FBI" feuchte Augen bekommt – oder sie überhaupt nur kennt –, will immer mehr; wer James Stacy nicht von Stacy Keach unterscheiden kann, langweilt sich.
Das Buch nun spricht noch deutlicher die erste Fraktion an, und sie wird sich freuen, noch mehr lebendige Details zur Fernsehindustrie der späten Sechziger erzählt zu bekommen. Doch selbst diese Fans werden zugeben müssen, dass Tarantinos Buch seinen eigenen Film an einigen entscheidenden Stellen entzaubert, offene Fragen allzu klar beantwortet, Zwischentöne übermalt.
Bei allem Talent für Dialoge und Plot, das Tarantino auch als Romancier in spe zeigt: die Lektüre seines Debüts beweist vor allem, was für ein großartiger Filmemacher er sein kann.

Quentin Tarantino: "Es war einmal in Hollywood"
Übersetzt von Thomas Melle und Stephan Kleiner
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021
25 Euro, 410 Seiten

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