Seit 19:05 Uhr Oper

Samstag, 19.09.2020
 
Seit 19:05 Uhr Oper

Fazit | Beitrag vom 16.04.2020

Pynchon-Klassiker "Die Enden der Parabel" als HörspielVon Paranoia, Weltkrieg und V2-Raketen

Klaus Buhlert im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Schwarz-Weiß Fotografie, die drei Raketen auf einem Feld zeigt. (imago images / WHA United Archives)
Die Figuren des Romans sind leitmotivisch mit den deutschen V2-Raketen verbunden. (imago images / WHA United Archives)

"Die Enden der Parabel" gilt als wichtigster Roman von Thomas Pynchon. Die Übertragung in ein anderes Medium galt für das legendär komplexe Werk als unmöglich. Klaus Buhlert hat es dennoch gewagt - und daraus eine knapp 14-stündige Hörspielfassung gemacht.

Viele Zeitsprünge und Handlungsorte, unzählige Figuren – das waren nur einige Herausforderungen bei der Umsetzung von Thomas Pynchons Roman "Die Enden der Parabel" in eine Hörspielfassung.

Das 1973 erschienene Werk das amerikanischen Autors gilt als ähnlich komplex wie James Joyce‘ Jahrhundertroman "Ulysses" – mit seiner 22-stündigen Fassung für das Radio hatte der Regisseur Klaus Buhlert "Ulysses" 2013 für die ARD realisiert und damit den Deutschen Hörbuchpreis gewonnen.

Komplexe Vorlage

Nun also "Die Ende der Parabel" - legendäres Werk eines Schriftstellers, der immer wieder für den Nobelpreis für Literatur gehandelt wird. "Da Pynchon wusste, dass ich den Ulysses gemacht habe, hat er uns erlaubt, dieses Hörspiel zu machen", sagt Buhlert. Die Übersetzer des Romans, Elfriede Jelinek und Thomas Pilz, hätten allerdings nicht an das Gelingen einer Hörspielfassung geglaubt.

Der Hörspielregisseur Klaus Buhlert  (dpa / picture alliance / Horst Galuschka )Das preisgekrönte "Ulysses"-Hörspiel habe Pynchon bewogen, einer Hörspielfassung von "Die Enden der Parabel" zuzustimmen, sagt Klaus Buhlert. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka )

Doch Buhlert hat es geschafft. Drei Jahre habe die Arbeit an der Hörspielfassung gedauert, und er sei "froh darüber, einen Roadmovie im Kopf hinbekommen zu haben", so der Regisseur. Das sei eigentlich nicht geplant gewesen.

Besonders die Umsetzung paranoider Situationen – ein wichtiges Element des Romans, der größtenteils in Europa kurz vor und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt  – sei eine großartige Erfahrung gewesen, erläutert Buhlert.

Ein Leitmotiv des Romans ist die deutsche V2-Rakete, mit der viele der Figuren auf die eine oder andere Weise in Verbindung stehen. Der Start einer Rakete hat immer wieder gravierende Auswirkungen:

"Was da geladen ist, das kommt an, irgendwo, manchmal auch gesteuert auf die richtigen oder falschen Köpfe oder in die richtigen oder falschen Köpfe. Der Tod wird außer Kraft gesetzt, weil man ihn nicht mehr kommen sieht und hört. Und das ist Paranoia in dieser Gesellschaft."

Parallelen zur aktuellen Krise

Buhlert sieht in diesem Aspekt des Romans auch eine Verbindung zur aktuellen Situation:

"Diese Gesellschaft ist gewöhnt, und auch Menschen, die in den Krieg ziehen, sind gewöhnt, der Gefahr ins Auge zu schauen. Doch dieser Gefahr - es ist genau wie bei Corona - kann man nicht mehr in die Augen schauen, sondern man erliegt ihr einfach, ohne dass man weiß, das es auf einen zukommt. Und das löst diese riesige Angst und diese riesige Massenhysterie aus."

Ab diesem Wochenende ist die 14-stündige Hörspielfassung "Die Enden der Parabel" in den Programmen des Südwestrundfunks und im Deutschlandfunk zu hören. Danach finden Sie es auch als eigenes Themenband in unserer Audiothek.

Viele weitere Hörspiele finden Sie in unserem Hörspiel- und Feature-Portal.

(mle)

Mehr zum Thema

Thomas Pynchons Opus Magnum - Die Enden der Parabel / Gravity's Rainbow
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 18.04.2020)

Hörspielmagazin Extra - Jenseits der Null
(Deutschlandfunk, Hörspiel, 14.04.2020)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie Saison der Feuer
Ein Feuerwehrmann ist von hinten zu sehen, wie er in den brennenden Wald schaut. (Neal Waters/ Sputnik/ dpa)

Frühling, Sommer, Herbst und Winter - das war früher. Heute haben wir die Feuer- und die Regenzeit. So schreibt der US-amerikanische Autor T.C. Boyle im "Spiegel". Er lebt in Kalifornien und sieht Versäumnisse bei US-Präsident Trump.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur