Seit 05:05 Uhr Studio 9

Montag, 18.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Rang I | Beitrag vom 09.11.2019

"Pussy – eine Ode an die Männlichkeit"Ein Theaterabend für echte Kerle

Stephanie van Batum und Owen Peter Read im Gespräch mit André Mumot

Beitrag hören Podcast abonnieren
Elwin Chala, Paul Zichner und Oliver Kraushaar auf der Bühne für "Pussy - Eine Ode an die Männlichkeit". (JR Berliner Ensemble)
Stephanie van Batums neustes Stück "Pussy" beschäftigt sich mit Männlichkeitsbildern. (JR Berliner Ensemble)

Stephanie van Batum inszeniert mit fünf Darstellern am Berliner Ensemble einen humorvollen Trip in die Maskulinisten-Szene: "Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine Entgiftung über Humor und Lachen zu erreichen", sagt die Theater-Autorin.

An den Theatern ist das Thema Feminismus nicht mehr wegzudenken, weibliche Themen werden bewusster gesucht, männliche Dominanz hinterfragt. Am Berliner Ensemble aber hat nun das Stück "Pussy" Premiere, eine sogenannte "Ode an die Männlichkeit".

"Dies ist ein Abend für die Bros, die Diggas, die Kerle, die Homies, die alten, weißen Männer, die Dudes, die Jungs, die Kumpels und die Mannsbilder." So ist es in der Ankündigung zu lesen, die das Berliner Ensemble herausgegeben hat für diesen Abend über maskuline Allmachtsfantasien im Internet, frei angelegt an Alice im Wunderland - als ein Trip zu skurrilen, aber auch beängstigenden Sonderlingen.

Steckt die Männlichkeit wirklich in der Krise?

Die niederländische Autorin und Regisseurin Stephanie van Batum hat "Pussy" entwickelt und mit einem der fünf Darsteller, Owen Peter Read, bei "Rang 1" über die Hintergründe der Produktion gesprochen.

Ihren Durchbruch hatte Stephanie van Batum mit einem Abend über die amerikanische Sängerin Beyoncé. Nach der Auseinandersetzung mit weiblicher Stärke sei daher durchaus das Interesse an Männlichkeitsbildern vorhanden gewesen. "Irgendwie tauchten die ganze Zeit Wörter auf – online oder in den Nachrichten – von toxischer Maskulinität und einer Krise der Männlichkeit", so Stephanie van Batum.

"Ich musste das erstmal wirklich recherchieren. Ich habe einen Vater und einen Bruder und habe dann erstmal bei denen oder bei männlichen Freunden gefragt: 'Hey, bist du in einer Krise?' Und eigentlich haben die meisten nein gesagt. Und da musste ich ein bisschen weitersuchen: Wo kommt denn das plötzlich her? Und dann bin ich in die Online-Recherche gegangen."

Männlichkeitsfanatiker und Allmachtsfantasien

Gefunden hat sie zahlreiche Chats von Maskulinisten, von Flirtexperten und denjenigen, die behaupten, bereits in einem Matriarchat zu leben. Das Stück besteht zum großen Teil aus realen Aussagen, die in den entsprechenden Foren und auch in der "realen Welt" getätigt wurden. Ändern könne sie diese Männlichkeitsfanatiker mit ihrem Stück natürlich nicht, für das Publikum aber erhofft sich Stephanie van Batum einen positiven Effekt:

"Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine Entgiftung über Humor und Lachen zu erreichen, und ich will gleichzeitig auch informieren, dass es das gibt. Aber keine Angst, keine Sorge: Wenn wir darüber lachen können, dann kommen wir auch darüber hinweg."

Ein unterhaltsamer, auch leichter Umgang mit schweren Themen sei ihr grundsätzlich wichtig bei der Arbeit, man dürfe sich nicht "niederschlagen lassen", wie Stephanie van Batum sagt – trotz der erschütternden Erkenntnisse. "Ich habe mich auch manchmal sehr traurig gefühlt, während der Recherche, aber dann habe ich mit den fünf wunderbaren Schauspielern gearbeitet, und die bringen mich jeden Tag so zum Lachen! Und das ist für mich die Art und Weise, um irgendwie auch wieder gesäubert da wieder herauszukommen."

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Netz-IkonenWenn Protestbilder viral gehen
Die Aktivistin Leshia Evans stellt sich im Juli 2016 der Polizei entgegen. In Baton Rouge, im US-Bundesstaat Louisiana, war es zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gekommen. (World Press Photo/AP Photo/Jonathan Bachmann/Thomson Reuters)

Bilder spielen für Protestbewegungen eine zentrale Rolle. Über sie können Botschaften transportiert werden und besonders ikonische Fotos können mehr Aufmerksamkeit für ein Thema wecken. Wie hat sich diese Dynamik im Netz-Zeitalter verändert?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur