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Tonart | Beitrag vom 29.07.2019

Punk und NDWAls Deutsch auf einmal poppig wurde

Von Mike Herbstreuth

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Inga (links) und Annette Humpe in der Talkshow "irgendwann" - zusammen waren sie die Neonbabies (imago/BRIGANI-ART)
Die "Neonbabies" Annette und Inga Humpe: "Da gab es irgendwie bekloppte Schlager und auch die Liedermacher waren uns dann eigentlich nicht radikal genug." (imago/BRIGANI-ART)

Bis Anfang der 80er galt das ungeschriebene Gesetz: Auf Deutsch singen nur Schlagerfuzzis oder Liedermacher. Dann kamen Punk und NDW und alles änderte sich. Heute stehen in den deutschen Charts fast nur Alben deutschsprachiger Künstler.

"Wir wollten halt Popmusik machen, die es vorher nicht gab", sagt Inga Humpe, eine der ersten und erfolgreichsten deutschsprachigen Popmusikerinnen (2Raumwohnung) über ihren Start. 

In den 1970er-Jahren gründete sie mit ihrer Schwester Annette die New Wave-Band Neonbabies. Die Texte waren auf Deutsch, was zu der Zeit ungewöhnlich war, erklärt der Musiker Andreas Dorau: "Deutschsprachige Sachen waren halt damals Schlager."

Und Humpe ergänzt: "Da gab es irgendwie bekloppte Schlager und auch die Liedermacher waren uns dann eigentlich nicht radikal genug." 

Auf einer Amerikareise habe sie einen Schub bekommen, sagt Inga Humpe. "Da habe ich die ersten Punkbands gesehen, unter anderem eben Patti Smith und Blondie und Suicide, und das hat mich komplett umgedreht und mich komplett fasziniert. Als ich zurück nach Berlin kam, war ganz klar, dass Punk die Musikrichtung ist, in der wir auch als Jugend damals uns zu Hause fühlten und uns verstanden gefühlt haben."

Sperriges Deutsch

Andreas Dorau sagt, er sei auf der Suche gewesen: "Wie findet man eine eigene Rhythmisierung für eine Sprache, die eigentlich auch vorher so noch nicht benutzt wurde? Da probiert man rum." Heraus kam "Fred vom Jupiter".

Die deutsche Sprache sei "natürlich ein bisschen härter als Englisch oder Französisch", sagt Humpe und Dorau findet, Deutsch sei sperrig, weil es sehr viele dreisilbige Wörter habe oder noch Schlimmeres.

"Und wenn man einen halbwegs intelligenten Text abliefern möchte, ist das sehr schwierig. Wenn du etwas Rhythmisches machen willst, brauchst du eigentlich viele einsilbige Wörter, weil es einfacher zu phrasieren ist, und das ist in der deutschen Sprache nicht so gegeben. Da muss man sich was einfallen lassen."

Irgendwann war die Neue Deutsche Welle nicht mehr erfrischend neu, sondern wirkte wie Schlager im Popgewand. Songs wie "Ich will Spaß" oder "Hohe Berge" sorgten dafür, dass sich die Pioniere abwandten, sagt Andreas Dorau:

"Dann war es erst mal ein paar Jahre total out, Deutsch zu singen. Das war das Verpönteste vom Verpönten, also das hab ich so wahrgenommen. Also ich hab ja auch tatsächlich irgendwann einfach deutsche Sachen bewusst gemieden."

Wie die deutsche Sprache im Pop dann doch rehabilitiert wurde, zeigt der zweite Teil unserer Sommerreihe "40 Jahre Deutsch als Pop-Sprache", zu hören am 30. Juli um 16.10 Uhr in der Sendung "Tonart".

(mfu/abu)

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