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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.02.2010

Puck auf der Jagd

Die Berlinale-Kolumne

Von Jürgen Stratmann

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Vorn Cate Blanchett und irgendwo hinter der Ballustrade Erika Rabau. (AP)
Vorn Cate Blanchett und irgendwo hinter der Ballustrade Erika Rabau. (AP)

Erika Rabau ist die offizielle Berlinale-Fotografin. Die zierliche Frau konnte sich in der rauen Fotografenwelt durchsetzen. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Sie spricht sechs Sprachen.

Es ist immer wieder ein Schauspiel von martialischer Rohheit - anmutig Wild tritt zögernd, gelegentlich scheu - die lauernde Meute hinterm Fotografenzaun witternd, ins helle Licht auf den freien Plan - und dann bricht sie los, die wilde Jagd ...

... aber, den Barrieren vertrauend, die das wüste Gezücht ins Dunkel verbannt, passiert die bedrängte Kreatur nicht das Spalier, ohne die Rotte zu necken. Doch dann plötzlich: Sie! Einer Diana gleich ist sie plötzlich da, und bändigt die Bande mit herrischem Ton:

"Ein Moment, ein Moment, ja?"

Erika Rabau - ihr Name - doch nicht Diana, der Göttin der Jagd, will sie gleichen - ihren Ehrentitel gab ihr einst der große Friedrich Holländer: - Puck von Berlin.

"Im Sommernachtstraum, da gibt´s doch diesen Waldgeist, der überall rumspukt - der Begleiter von Oberon."

Sie hat den Shakespeares´chen Kobold mal als Kind gespielt - und ...

"Wie heißt es dadrin: Um die Erde zieh ich einen Gürtel, in vier mal zehn Minuten."

Damit kann sie sich anfreunden! - Und ja, ein bisschen was Koboldhaftes muss sie ja haben, damit sich die zierliche Frau mit den blonden Haaren in der rauen Festival-Fotografenwelt nicht nur behaupten, sondern zur offiziellen Berlinale-Fotografin aufsteigen konnte, denn natürlich hat sie ja auch mal klein angefangen - vor 43 Jahren.

"Es war immer eine Meute - es gab einige, die haben geboxt, also wirklich, mit Händen und Füßen."

Nix für Lämmer also:

"Ich hab´s immer geschafft, mich in die erste Reihe vorzumogeln - und dann kamen die empörten Schreie der Kollegen: Kopp runter, ich hab deine Haare drin!"

"Erika - mal kurz raus, hier, Erika ..."

"Am Anfang war es ein richtiger Kampf, immer ..."

Aber vielleicht hat die Meute dann irgendwann gemerkt: Gar nicht so schlecht, wenn Erika da ist: denn jene Wesen, die alle zu bannen begehren, werden schnell ganz zahm, wenn Erikas sanfte Stimme erklingt - sie braucht nicht zu schreien. Ihre Wünsche werden befolgt - was immer es ist ...

"Whatever you like ..."

Und sie tun es gern ...

"Thank you, my darling - you´re sweet! Bye!"

Und man hat den Eindruck, selbst die größten Tiere...

"Willem Dafoe, etc."

... fressen ihr aus der Hand - oder?

"Nenee, soweit ist ja nicht, aber ich habe einen Trick 17 - ich spreche sechs Sprachen - und wenn du dann irgendeinen Satz anbringen kannst, dann ist sofort ein kleiner Draht da - und mehr Zutrauen!"

Trotzdem: Festival-Fotografie bleibe ein rüdes Metier - obwohl...

"Ich muss sagen, es ist inzwischen eine andere Generation dran, und die sind irgendwie ein bisschen zivilisierter."

Nur: die stellen der legendären Jägerin jetzt selber nach ...

"Gib alles, Erika!"

Mit Jagdhorn raus ...

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