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Interpretationen | Beitrag vom 16.02.2020

Puccinis Oper "Madama Butterfly"Die Musik der kleinen Dinge

Gast: Fabio Luisi, Dirigent; Moderation: Beatrice Schwartner

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Hyeseoung Kwon und Jeffrey Gwaltney in den Hauptrollen von Giacomo Puccinis Oper "Madama Butterfly" (imago / Bettina Strenske)
Traum und Wirklichkeit: Cio-Cio-San und Pinkerton, hier verkörpert durch Hyeseoung Kwon und Jeffrey Gwaltney in der Royal Albert Hall London, sind Symbolfiguren des Kolonialismus (imago / Bettina Strenske)

Kann die Liebe der japanischen Geisha Cio-Cio-San zu einem amerikanischen Marineoffizier gut gehen? Darum dreht sich Giacomo Puccinis Oper "Madama Butterfly", die 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde.

Wer denkt, dass die heute so beliebte "Madama Butterfly" 1904 ein großer Erfolg gewesen wäre, der irrt. Liest man die Kritiken der Uraufführung, dann muss der Abend des 17. Februar 1904 ein Desaster gewesen sein. Zum Beispiel: "Grunzen, Höhnen, Brüllen, Lachen, Kreischen, Schreien, hier und da die üblen Bravorufe, um die Zuschauer noch mehr anzuheizen, das war die Aufnahme, die das Publikum der Scala dem neuen Werk von Giacomo Puccini bereitet hat."

Dabei hatte diese Geschichte, die Puccini als Theaterstück in London gesehen und direkt nach der Vorstellung dem Autor David Belasco für eine Vertonung abgehandelt hatte, so viel Potential. Japan war zu dieser Zeit in Europa, besonders bei den Künstlern, ganz in Mode. Puccinis Librettisten Luigi Illica und Giuseppe Giacosa beeilten sich denn auch, dieser "Tragedia giapponese" bald auf die Opernbühne zu verhelfen.

Japanische Musik und italienische Oper

Woran lag in der Wahrnehmung der Zeitgenossen dieses grandiose Scheitern des damals schon erfolgsverwöhnten Komponisten? Daran, dass Puccini niemals in Japan war? Unmöglich! Perfektionist durch und durch, ließ er sich detailliert in japanischer Musik unterweisen, ließ sich Melodien vorsingen und arbeitete einige davon und sogar einzelne Takte aus der japanischen Nationalhymne in seine "Madame Butterfly" ein. Lag es an der Länge der Oper, an der Form, an den angeblich so gehaltlosen Melodien? Wie hat Puccini darauf reagiert? Und wodurch wurde "Madama Butterfly" doch noch zu einem solchen Dauerbrenner auf den Bühnen, als den wir sie heute kennen?

Große Stimmen

Darüber und über vieles mehr, etwa den summenden Chor aus der Oper, spricht Beatrice Schwartner mit einem Fachmann für italienische Oper, mit dem Dirigenten Fabio Luisi – er ist Generalmusikdirektor der Oper Zürich, Chefdirigent des Danish National Symphony Orchestra, Musikdirektor des Maggio Musicale Fiorentino und designierter Music Director des Dallas Symphony Orchestra.

Der Dirigent Fabio Luisi (imago stock&people)In der italienischen Oper steuert der Dirigent ein Kraftwerk der Gefühle: Fabio Luisi (imago stock&people)

Als gebürtigem Italiener stehen Fabio Luisi die großen italienischen Stimmen des Operngesangs besonders nahe – in der Sendung wird er wunderbare historische Aufnahmen, darunter auch eine in seinen Ohren perfekte Einspielung der "Madama Butterfly" vorstellen. Was muss ein Sänger, eine Sängerin haben – außer Stimme – um Puccini richtig gut zu singen? Und wie kann der Dirigent dabei helfen?

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