Publizist zu Weltkriegsgedenken in Polen

"Danzig soll bestraft werden"

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Das im Hafenkanal von Neufahrwasser (Danzig) liegende deutsche Linienschiff "SMS Schleswig-Holstein" nimmt am 01.09.1939 das auf der Westerplatte liegende polnische Munitionslager unter Beschuss
Das im Hafenkanal von Neufahrwasser (Danzig) liegende deutsche Linienschiff "SMS Schleswig-Holstein" nimmt am 1.9.1939 das auf der Westerplatte liegende polnische Munitionslager unter Beschuss. © dpa/picture alliance/Ullstein
Basil Kerski im Gespräch mit Christopher Ricke · 10.08.2019
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Die "Aufmüpfigkeit" der Danziger Kommunalpolitiker komme bei der polnischen Regierung nicht gut an, sagt Basil Kerski. Deshalb wolle sich zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen niemand von Regierung oder Präsidialkanzlei in Danzig zeigen.
Am 1. September jährt sich der deutsche Überfall auf Polen zum 80. Mal. Kurz vor fünf Uhr morgens begann ein deutsches Schiff im Jahr 1939 polnische Befestigungen auf der Westerplatte vor Danzig zu beschießen. Außerdem griff Deutschland Polen mit Panzerverbänden und Flugzeugen an. Die Kleinstadt Wieluń wurde bereits am Morgen von der deutschen Luftwaffe zerstört.
In diesem Jahr ist Wieluń neben Warschau Schauplatz der Gedenkfeiern, die an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnern. Auch der deutsche Bundespräsident Steinmeier nimmt teil.

Kritik an anti-europäischer Haltung

Danzig hingegen werde in diesem Jahr von den Gedenkfeiern ausgeschlossen, sagt der Politikwissenschaftler Basil Kerski. Darin drücke sich ein Konflikt zwischen der Stadt Danzig und der polnischen Regierung aus.
Die Stadt Danzig, aber auch Warschau, Breslau, Krakau und Posen gehörten zu den Städten, die die polnische Regierung und den Präsidenten seit Jahren massiv kritisierten. Im Fokus ihrer Kritik stehe die anti-europäische Haltung der polnischen Regierung und die Zerstörung der Unabhängigkeit der Gerichte, sagt Kerski.

Massive Propaganda gegen Oberbürgermeisterin

In Danzig habe sich mit der neuen Oberbürgermeisterin, Aleksandra Dulkiewicz, eine starke junge politische Persönlichkeit profiliert. Für ihre kritische Haltung werde sie von der Regierung mit einer massiven Propaganda bekämpft. "Deshalb will sich niemand seitens der Regierung, seitens der Präsidialkanzlei, in Danzig zeigen", kommentiert Kerski. "Danzig soll bestraft werden für seine Aufmüpfigkeit."
In den vergangenen 20 Jahren des demokratischen Polen sei es hingegen Tradition gewesen, dass der polnische Staatspräsident und der Ministerpräsident am 1. September in Danzig sind.
(huc)
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