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Interview | Beitrag vom 29.10.2020

Psychologin über Wege durch die Coronakrise"Wir wissen, dass unser Leben nicht an Klopapierrollen hängt"

Sabine Köhler im Gespräch mit Nicole Dittmer

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 Eine Frau trägt Toilettenpapier. Foto: Andreas Arnold/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa /  Andreas Arnold)
Zum Symbol geworden: das Klopapier. Inzwischen ist klar, dass die Angst, es könnte ausgehen, unbegründet war. (picture alliance / dpa / Andreas Arnold)

Corona bringt das öffentliche Leben erneut zum Erliegen und schränkt uns im Privaten ein. Die Psychologin Sabine Köhler registriert mehr Patienten, die Hilfe suchen. Sie sagt aber auch: Wir sind durch unsere Erfahrungen aus dem Frühjahr gewappnet.

Restaurants schließen, Fitnessstudios, Theater. Treffen sind wieder nur zwischen maximal zwei Haushalten erlaubt. Die neuen Corona-Regelungen für den November sind so neu nicht, wir kennen sie schon aus dem Frühling. Allerdings: Wir wissen mittlerweile mehr über das Virus. Und darum können dieses Mal zum Beispiel Schulen und Kitas geöffnet bleiben – mit ausreichend Frischluft.

Einen Monat Verzicht also, und dann ist alles wieder gut? Oder müssen wir uns auf einen langen, harten Winter einstellen? Coronaexpertinnen und -experten sind sich nicht einig: Die einen halten harte Verbote für kontraproduktiv, andere fordern, im Gegenteil, speziell die privaten Kontakte stärker zu reglementieren.

Corona weckt konkrete Ängste

Was macht das mit uns, wie kommen wir durch die Krise? Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, wird in ihrer Praxis deutlich mehr in Anspruch genommen als noch vor Monaten. Viele Patienten, die schon geraume Zeit in Behandlung gewesen seien und deren Beschwerden sich gebessert hätten, zeigten nun, während der zweiten Coronawelle, wieder stärkere Symptome, sagt die Medizinerin.

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Auch kämen neue Patienten hinzu, die sich durch die Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben überfordert fühlten. Viele hätten ganz konkret Angst um ihre Jobs, andere litten darunter, ihre Freunde nicht mehr treffen zu können.

Hoffnung auf Weihnachten im Familienkreis

Andererseits wüssten die Bürgerinnen und Bürger aber durch die Erfahrungen aus dem Frühjahr, was sie erwartet, sagt Köhler: "Wir wissen, dass unser Leben nicht an den Klopapierrollen hängt, die im Regal liegen oder auch nicht im Regal liegen. Unser Versorgungssystem in Deutschland ist so gut, dass wir keine Hamsterkäufe tätigen müssen."

Eine Frau mit Mund-Nasen-Maske läuft ini Köln an einem Laden mit Weihnachtsdekoration vorbei.  (Photo by Ying Tang/NurPhoto) | Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (picture alliance / NurPhoto / Ying Tang)Können wir Weihnachten feiern wie im letzten Jahr? Das wird sich Ende November entscheiden. (picture alliance / NurPhoto / Ying Tang)

Positiv sieht Köhler, dass die Beschränkungen jetzt beschlossen wurden und erst einmal nur für einen begrenzten Zeitraum von vier Wochen gelten sollen: "Ich finde es sehr weise, dass jetzt die Entscheidung gefallen ist mit Blick auf die nahenden Advents- und Weihnachtsfeiertage, die für Familien bei uns ja große Bedeutung haben. Dass die Menschen die Hoffnung haben dürfen, diese Feiertage im Kreise ihrer Familie verbringen zu dürfen."

(mkn/west)

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