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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.03.2018

PsychologieWie sinnvoll sind Online-Therapien bei Essstörungen?

Katrin Giel im Gespräch mit Axel Rahmlow und Vladimir Balzer

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Eine junge Frau mit einem Zentimetermaß um den Bauch. (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)
Auf demselben Telefon krank werden und therapiert werden? (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Die große Mehrheit der Menschen, die in Deutschland an Essstörungen leiden, sind junge Frauen unter 35 Jahren. Statt einer persönlichen Behandlung gibt es nun auch digitale Alternativen: Die Psychobiologin Katrin Giel erläutert das Für und Wider einer Online-Therapie.

Die Psychobiologin Katrin Giel ist Forschungsleiterin des Projekts "Psychobiologie des Essverhaltens" am Universitätsklinikum Tübingen. Sie ist derzeit beim Kongress der deutschen Gesellschaft für Essstörungen in München.

Inzwischen könne man über E-Mails, Chats, Apps oder Videokonferenzen mit Therapeuten kommunizieren, erklärt Katrin Giel.

"Wir haben hier eine Gruppe von Patientinnen, die mit dem Internet und mobilen Endgeräten aufgewachsen sind und sie in ihrem Alltag sehr rege nutzen – und teilweise auch, um über die Essstörungen zu kommunizieren. Und das bietet Chance und Risiko gleichzeitig." 

Zeitalter der ständigen Vergleichbarkeit

Im Zeitalter von Smartphone und ständiger Vergleichbarkeit propagieren auch Apps wie Tinder eine Körperästhetik, die viele junge Frauen in die Magersucht treiben kann. Auf demselben Telefon krank werden und therapiert werden? Das Für und Wider von Online-Therapien bei Essstörungen sei auch auf dem Kongress lebhaft diskutiert worden, sagt Giel.

"Es ist eine Chance zu sagen: Wir brauchen hier eine gewisse Präsenz therapeutischer Inhalte und Hilfen über dieses Medium, um die Patientin da abzuholen und auch das Medium positiv zu nutzen, um gegen die Essstörung vorzugehen."

Niedrigschwelliger Einstieg

Der niedrigschwellige Einstieg kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn Patientinnen sich noch nicht sicher sind, ob sie sich in eine Behandlung begeben wollen, da diese Störungen auch mit einem Stigma behaftet seien, meint Giel. Wann rät sie von einer Online-Therapie ab? 

"Wenn Patientinnen eine sehr schwere Symptomatik haben, einen sehr niedrigen Body-Mass-Index oder weitere schwer wiegende Erkrankungen vorliegen, dann ist es nicht angezeigt 'nur' ein Online-Verfahren anzubieten. Dann ist es sicher richtig, dass man hier eine intensive Behandlung hat."

(cosa)

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