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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.01.2008

Psychologe kritisiert Ruf nach mehr Härte im Jugendstrafrecht

Fiedler: Wiedereingliederung muss intensiver betreut werden

Gefängnisgitter (AP)
Gefängnisgitter (AP)

In der Debatte um ein härteres Jugendstrafrecht hat sich Marius Fiedler, Diplom-Psychologe und Sprecher der deutschen Jugendstrafanstaltsleiter, gegen mehr Härte in der Behandlung jugendlicher Straftäter ausgesprochen.

Der Leiter der Jugendstrafanstalt Berlin sagte im Deutschlandradio Kultur: "Wenn Härte das Entscheidende wäre, dann müssten die Amerikaner mit ihren Boot-Camps und ähnlichen Einrichtungen Super-Erfolge haben. Haben sie ja nicht. Es gibt kaum ein Land mit so viel verurteilten Straftätern bei gleichzeitiger Härte wie die Vereinigten Staaten." Der Ruf nach mehr Härte befriedige allenfalls das menschliche Rachebedürfnis.

Die aktuelle politische Diskussion in Deutschland, so Fiedler weiter, sei in den Augen vieler Wissenschaftler, die sich mit jugendlichen Straftätern beschäftigten, lediglich "eine Eintagsfliege", die den "Ängsten eines Großteils der Bevölkerung" entspreche.

Im Übrigen stimme er Medienberichten zu, wonach Deutschland zwar ein vorbildliches Jugendstrafrecht habe, es jedoch Defizite im Vollzug gebe, weil der Jugendstrafvollzug systematisch kaputt gespart würde. Fiedler wörtlich:

"Der Euro in der Landeskasse kann nur einmal ausgegeben werden. Und ich verstehe natürlich die Politiker, die sagen: Im Zweifelsfall geben wir das lieber für eine Kindertagesstätte aus als noch mal für die bösen Jungs. Das ist ein Problem."

Zu Betreuungsverhältnissen von eins zu siebzig bei den Bewährungshelfern sagte Fiedler: "Das kann eigentlich kaum vernünftig funktionieren." Denn es könne nicht darum gehen, dem Jugendlichen einfach nur Termine zu geben. Er müsse vielmehr intensiv bei der Wiedereingliederung nach dem Strafvollzug begleitet werden.

Unabhängig von finanziellen Defiziten hält Fiedler es für wichtig, bisherige Konzepte des Umgangs mit straffälligen Jugendlichen regelmäßig einer Qualitätskontrolle zu unterziehen. Ferner plädierte er für eine sorgfältige Auswahl der Mitarbeiter in den Jugendstrafanstalten.

Sie können das vollständige Interview mit Marius Fiedler bis zum 19.6.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören.
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