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Interview | Beitrag vom 19.05.2020

Psychologe Jürgen KagelmannWarum Corona Urlaubsreisen nachhaltig verändern wird

Moderation: Dieter Kassel

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3D computer Illustration von vielen Flugzeugen auf dem Boden. (imago)
Braucht man die noch oder können die weg? Fernreisen sind momentan nicht möglich. (imago)

Einmal aus dem Paradies der Sorglosigkeit vertrieben, gibt es kein Zurück: Der Psychologe Jürgen Kagelmann ist davon überzeugt, dass wir künftig weniger und wohlüberlegter reisen. Auch über die Dauer der Coronapandemie hinaus.

Wenn es erst einen Impfstoff gegen das Coronavirus ist, wird der Spuk vorbei sein - und wir werden wieder reisen können wie zuvor. Davon scheinen derzeit viele auszugehen. Der Münchner Psychologe und Tourismusforscher Jürgen Kagelmann hingegen glaubt, dass unser Reiseverhalten sich durch Corona nachhaltig verändern wird. Denn das Grunderlebnis der Sorglosigkeit beim Reisen sei weg:

"Man ist ja die ganzen letzten Jahre - meistens sogar mehrmals pro Jahr - ganz froh und munter in den Urlaub gestartet und hat sich nicht viele Gedanken gemacht", sagt Kagelmann. "Das sieht man auch zum Beispiel an den vielen jungen Leuten, die jetzt 'all over the world' gestrandet sind und aus Pakistan oder Peru verzweifelt kabeln oder telefonieren: Wir wissen nicht, wie wir nach Hause kommen. Weil sie sich einfach auch viel zu wenig Gedanken gemacht haben."

Weniger und teurer - so sieht Urlaub künftig aus

Der Psychologe glaubt nicht, dass wir in diesen schönen Zustand der Sorglosigkeit zurückkehren werden. In Zukunft werde man wohl nicht mehr so naiv und nur mit Blick auf den billigsten Preis buchen, sagt Kagelmann. Und auch weniger oft verreisen.

Die Ziele würden künftig vermutlich sorgfältiger ausgesucht, die Einstellung zum Reisen werde sind ändern. Schlecht müsse das nicht sein: "Man freut sich dann vielleicht auch viel mehr über diese eine Urlaubsreise."

Und selbstverständlich werde das Reisen teurer werden, meint Kagelmann. Aber auch das bedeute nicht unbedingt etwas Schlechtes: "Es bedeutet nur, dass vor allen Dingen diese Billigpreise, Geiz-ist-geil-Tarife, ausfallen werden."

Befürchtungen, dass sich durch weniger Reisen unser kultureller Horizont verengen könnte, teilt der Psychologe nicht: Zum einen sei für das Wissen über andere Länder und Kulturen kein Reisen nötig.

Zum anderen könne ein persönlicher Eindruck von einem fremden Land zwar unter Umständen die Einstellung zu anderen Kulturen und Religionen "etwas glätten oder verbessern", räumt er ein: "Das würde ich aber nicht als automatische Folge des Reisens annehmen."

(uko)

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