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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.03.2020

Psychiater über Angst in der CoronakriseWarum wir uns jetzt um andere kümmern sollten

Jan Kalbitzer im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Großaufnahme einer Frau mit Schutzmaske, die aus einem Fenster schaut. (Eyeem / Roman Drits)
Nur keine Panik: Wer sich seiner Angst vor Corona stellt, bleibt auch in der Krise handlungsfähig, sagt der Psychiater Jan Kalbitzer. (Eyeem / Roman Drits)

Corona bringt das öffentliche Leben zum Stillstand. Und plötzlich ist sie da, die Angst vor dem Ungewissen. Wie damit umgehen? Der Psychiater Jan Kalbitzer rät: Sprecht mit anderen über eure Angst, helft den Nachbarn – und lacht so oft wie möglich.

Es gibt auch viele gute Nachrichten in den letzten Tagen, von Hilfe und Solidarität untereinander. Aber sie wirken eher klein vor dem Hintergrund der immer neuen Meldungen über Corona-Infizierte, Tote und Einschränkungen des sozialen Lebens.

Mit der Angst umgehen - aber wie?

Viele Menschen haben Angst – um ihre Familie, um ihre Arbeit, um ihre Zukunft. Und es ist schwer, damit umzugehen.

Die Leute hätten vor den Folgen des Virus mehr Angst als vor Corona selbst, sagt Jan Kalbitzer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er rät: Stellt euch eurer Angst – aber lasst nicht zu, dass sie alles bestimmt.

Über die eigene Angst zu reden sei das Beste, was man tun könne, sagt er: "Wenn wir die Gefahr annehmen, können wir viel lernen."

Lachen ist gut, weil es Distanz schafft

Die angespannte Situation ab und zu verdrängen, sei in Ordnung – aber eine komplette Verdrängung sei nicht gut. "Die derzeitige Lage ist eine gute Übung. Denn es werden uns noch mehr Herausforderungen bevorstehen", sagt Kalbitzer.

Darüber hinaus gelte auch der alte Spruch "Lachen ist die beste Medizin". Lachen tue nicht nur körperlich gut, sondern verschaffe uns auch Distanz zu uns selbst: "Abstand zu unseren Sorgen ist wichtig, um handlungsfähig zu bleiben."

Etwas für die Gemeinschaft tun

Gut sei es auch, in der angespannten Lage etwas für die Gemeinschaft zu tun, etwa, indem man Nachbarn helfe – "weil die Gemeinschaft die Krise auf jeden Fall überstehen wird". Und es sei sehr wichtig für die psychische Gesundheit, Teil von etwas zu sein, das größer sei als man selbst und Werte vertrete, betont der Psychiater.

Coronavirus-Newsletter"Denn wenn man allein in seiner Wohnung sitzt, mit seinem Klopapier und seinen Nudeln – dann kommt die Angst doch irgendwann wieder und schleicht sich ein. Denn auch der Lieferservice, der das Essen bringt, könnte ja ein Überträger sein."

(mkn)

Bei vielen Menschen löst die Coronakrise Existenzängste aus. Wie man diese bewältigen kann, darüber haben wir mit Krisencoach Tamara Dietl gesprochen. Das Gespräch hier zum Nachhören: 

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