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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.04.2015

Prozess gegen die Deutsche BankErst kommt die Bank, dann die Moral?

Christopher Kopper im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, vor dem Landgericht München (afp / Christof Stache)
Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender der Deutschen Bank, vor dem Landgericht München (afp / Christof Stache)

In München hat der Prozess gegen die Deutsche Bank begonnen. Und schon länger wird über das moralische Verhalten von Banken diskutiert. Heute gebe es strengere Kriterien, sagt der Historiker Christopher Kopper.

Heute hat in München der Prozess gegen die Chefs der Deutschen Bank begonnen. Vor Gericht stehen Jürgen Fitschen, der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, sowie seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer. Angeklagt sind außerdem die beiden ehemaligen Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck.

Wie sehr müssen sich Banken an ihrem moralischen Verhalten messen lassen? Und hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Verhaltens verändert? Heute gebe es strengere Kriterien in der Öffentlichkeit, sagte der Bielefelder Historiker Christopher Kopper im Deutschlandradio Kultur:

"Etwa, wenn es um die Finanzierung von ökologisch problematischen Großinvestitionen geht. Oder wenn es um Geschäfte mit Staaten geht, in denen grundlegende Menschenrechte, zu denen auch soziale Rechte gehören, nicht eingehalten werden."

Auffällig sei, dass auch die Aufsichtsbehörden des Staates gegenüber dem regulären Geschäftshandel der Banken "deutlich kritischer" geworden seien, so Kopper: 

"Dass beispielsweise auch die Deutsche Bank mittlerweile in den Vereinigten Staaten in einen Prozess wegen Zinsmanipulation verwickelt ist."

Zum heutigen Prozess-Auftakt gegen die Deutsche Bank und zur Kirch-Affäre sagte Kopper, Sohn des einstigen Deutsche Bank-Vorstandssprechers Hilmar Kopper:

"Damals hat Herr Breuer ausgesprochen, was im Prinzip Insider alle schon längst wussten. Dass Kirch kurz vor der Insolvenz stand. Er hätte es natürlich nicht aussprechen dürfen. Bedenklicher ist aber, dass seine Kollegen im Vorstand der Bank, zu denen auch damals Herr Fitschen gehörte, offensichtlich die Justiz nicht umfassend aufgeklärt haben. Und das ist ja nun eine strafbare Handlung."

Über den Auftakt im Prozess gegen die Deutsche Bank berichtete in "Studio 9" Korrespondent Michael Watzke aus München.
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