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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.09.2020

Proteste in BelarusMaria Kolesnikowa bleibt verschwunden

Marina Naprushkina im Gespräch mit Nicole Dittmer

Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikova bei Protesten in Minsk.  (imago images / ITAR-TASS)
Maria Kolesnikova bei Protesten in Minsk, aber wo sich die belarussische Opossitionelle zurzeit aufhält, ist ungewiss. (imago images / ITAR-TASS)

Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa ist vermutlich verhaftet worden. Dass der Protest deswegen abnimmt, glaubt die Künstlerin Marina Naprushkina nicht. Sie ist überzeugt: Präsident Alexander Lukaschenko wird zurücktreten.

Wo ist die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa? Seit dem 7. September ist die Politikerin verschwunden. Nachdem es erst geheißen hatte, sie sei zur Ausreise in die Ukraine gedrängt worden, gab es dann Meldungen über ihre Verhaftung. Noch immer ist unklar, wo sich Kolesnikowa aufhält.

Den Worten des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko zufolge wurde sie an einem Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine festgenommen. Eine Bestätigung von ihr selbst, ihren Anwälten oder anderen Oppositionellen gibt es dazu nicht.

Kolesnikowa soll ihren Pass zerrissen haben

Kolesnikowa war wohl in Grenznähe. Zwei weitere Oppositionelle sind nach ukrainischen Berichten über die Grenze gelangt, sie selbst aber nicht.

Bei einer Befragung durch ukrainische Beamte hätten die beiden Oppositionellen gesagt, dass sie in Minsk gemeinsam mit Kolesnikowa von Beamten in Zivil gewaltsam in ein Auto gesetzt und in Richtung Grenze gebracht worden seien.

Kolesnikowa soll Maßnahmen ergriffen haben, damit sie nicht über die Grenze gebracht werden kann. Die Nachrichtenagentur Interfax Ukraine berichtet, die Oppositionspolitikerin habe ihren Pass zerrissen.

Sie wollte das Land nicht verlassen

Maria Kolesnikowa "ist tatsächlich diejenige von drei Frauen, die die ganze Zeit im Land nach der Präsidentschaftswahl geblieben ist und tatsächlich ganz klar gesagt hat, sie wird unter keiner Bedingung das Land verlassen", sagt die in Berlin lebende belarussische Künstlerin Marina Naprushkina angesichts der Entwicklung. "Ihren Mut haben wir sehr bewundert und geschätzt." Dass die Oppositionelle ihren Pass zerrissen und sich widersetzt habe, sei ein sehr mutiger Schritt gewesen.

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Dass die mutmaßliche Verhaftung Kolesnikowas die Protestbewegung in Belarus eindämmen und Oppositionelle einschüchtern werde, glaubt Naprushkina nicht. "Die Bewegung ist so breit." Die zahlreichen Verhaftungen von Oppositionellen sei zwar inzwischen "eine übliche Praxis geworden". Dies mache die Bevölkerung aber eher noch wütender.

Hoffnung auf einen Machtwechsel

In einem kürzlich aufgezeichneten, aber noch nicht ausgestrahlten Interview soll Lukaschenko andeuten, er sei vielleicht schon "etwas zu lange an der Macht", er plane aber keinen Rücktritt. Er könne sich aber Neuwahlen vorstellen, allerdings erst nach Verfassungsänderungen. Einen Dialog mit dem Koordinierungsrat der Opposition lehnte er nach wie vor ab.

Naprushkina zeigt sich trotzdem hoffnungsvoll, dass ein Rücktritt Lukaschenkos und ein politischer Wandel in ihrem Heimatland gelingen können: "Ich glaube, ihm wird es nicht gelingen, die Macht zu behalten. Der wird gehen."

(Thielko Grieß / lkn)

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