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Interview | Beitrag vom 06.05.2020

Protest gegen Corona-MaßnahmenDie Initiative "Widerstand 2020" will Partei werden

Dieter Rucht im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Zwei Demonstranten sitzten verkleidet auf einem ehemaligen Feuerwehrfahrzeug am Rosa-Luxemburg-Platz bei einer Kundgebung gegen die Corona-Einschränkungen. (picture-alliance/dpa/Christoph Soeder)
Schon bei mehreren Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen war die Gruppe "Widerstand 2020" in Erscheinung getreten. (picture-alliance/dpa/Christoph Soeder)

Die Initiative "Widerstand 2020" will sich als Partei registrieren lassen. Der Protestforscher Dieter Rucht ist skeptisch, ob die Gruppe so viel Aufmerksamkeit verdient: Wen sie versammelt, sei noch unklar.

Als neue Mitmachpartei versteht sich "Widerstand 2020". Die Logos waren schon auf zahlreichen Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen zu sehen. Nun liegt beim Bundeswahlleiter der Antrag vor, eine Partei zu gründen. Die Bewegung habe bereits rund 100.000 Unterstützer gefunden, behaupten die Macher.

Der Protestforscher Dieter Rucht  (picture-alliance/dpa/Sophia Kembowski)Der Protestforscher Dieter Rucht warnt davor, die Gruppe "Widerstand 2020" überzubewerten. (picture-alliance/dpa/Sophia Kembowski)

Was sich dahinter verbirgt, wisse man noch nicht so genau, sagt der Soziologe und Protestforscher Dieter Rucht. Die drei Gründer - die Unternehmerin Victoria Hamm aus der Region Hannover, der Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig und der HNO-Arzt Bodo Schiffmann, der in Sinsheim eine eigene Ambulanz für Schwindelerkrankungen leitet -  seien bekannt, aber wer die Unterstützer seien, lasse sich noch nicht erschließen. "Es sind einfach Leute, die sich zuhause vor dem Computer eingetragen haben", sagt Rucht. Sie seien vielleicht interessiert, aber wollten nicht unbedingt Parteimitglieder werden.

Populistisches Programm 

Bei den Initiatoren handele es sich um Leute, die sich gegen jede Form der Impfpflicht wendeten und den Lockdown sowie alle Maßnahmen zur Eindämmung von Corona für überflüssig und übertrieben hielten, sagt Rucht. Sie pflegten ein populistisches Programm, das sich auch im grundsätzlichen Misstrauen gegenüber den gewählten Volksvertretern ausdrücke.

Der Protestforscher warnt davor, bereits von einer "Bewegung" zu sprechen. Es könnten natürlich immer drei Leute im Netz etwas initiieren und zehn Leute könnten behaupten, da stünden Zehntausende oder Hunderttausende hinter ihnen. "Ich finde, da ist ein bisschen Abstand geboten", so Rucht.

Kritik an Medien 

Er habe die Medienberichterstattung verfolgt und sich über die vielen Berichte gewundert. "Man wertet so eine Initiative erst mal auf durch Publizität, ohne zu wissen, ist es eigentlich ein Luftballon, ist es eine Leerformel, mit der wir es da zu tun haben", sagt der Soziologe. Da wären eher Zurückhaltung und Bedächtigkeit angemessen.

(gem)


Aktualisierung, 07.05.2020: Wir haben Dachzeile, Bildunterschrift und Texteinstieg inhaltlich präzisiert.

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