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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.02.2011

Propaganda im Auftrag der CIA

Vor 30 Jahren wurde auf US-Sender ein Attentat verübt

Von Otto Langels

Radio Free Europe und Radio Liberty waren aber mehr als reine Nachrichtensender. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Radio Free Europe und Radio Liberty waren aber mehr als reine Nachrichtensender. (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Die US-amerikanischen Rundfunksender Radio Liberty und Radio Free Europe versorgten von München die Bevölkerung in der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten mit Informationen, die CIA unterstützte sie. Am 21. Februar 1981 wurde in München ein Bombenanschlag auf ihre Gebäude verübt.

Mit dieser Erkennungsmelodie begrüßte Radio Free Europe vor mehr als einem halben Jahrhundert Hörer in der Tschechoslowakei. Im Mai 1951 nahm der US-amerikanische Sender in München seinen Sendebetrieb auf, zunächst für die Tschechoslowakei, später für weitere osteuropäische Staaten. Tschechen und Slowaken, Polen, Ungarn, Rumänen und Bulgaren versorgte die Radiostation mit Informationen aus Politik, Kultur und Gesellschaft in den jeweiligen Landessprachen. Im Jahr 1953 kam mit Radio Liberty ein zweiter Sender hinzu, der - auch von München aus - Programme in mehreren Sprachen für das Gebiet der Sowjetunion ausstrahlte. Radio Free Europe und Radio Liberty waren aber mehr als reine Nachrichtensender.

"Freie Tschechen und Slowaken werden über diesen Sender zu ihren versklavten Landsleuten sprechen",

erklärte Charles Douglas Jackson, Präsident des Komitees Freies Europa, 1951:

"Im Namen des Kreuzzugs der Freiheit, im Namen von Radio Free Europe widme ich diesen Sender dem Sieg der Menschlichkeit über die Unmenschlichkeit."

Mit dem "Kreuzzug der Freiheit" gab Charles Douglas Jackson, ein Geheimdienstexperte und Mitarbeiter von US-Präsident Eisenhower, die Richtung für die beiden Sender vor: Radio Free Europe und Radio Liberty sollten den "eisernen Vorhang lüften", wie es hieß, und dazu beitragen, den Sowjetkommunismus zu bekämpfen und die sozialistischen Staaten zu destabilisieren. Die osteuropäischen Länder versuchten daher, den Empfang mit Störsendern zu verhindern, häufig vergeblich. Karl Eduard von Schnitzler, Chefkommentator des DDR-Fernsehens, erklärte 1972:

"Diese genannten Sender stellen ja objektiv nichts anderes dar als ideologische Aggression, und die sich dummdreist auch noch Freies Europa oder gar Freiheit nennen."

Nach außen traten die Zwillingssender, die in München unter einem Dach residierten, als unabhängige Medien auf, die wahrheitsgetreu berichteten und insbesondere unterdrückte Nachrichten aus den sozialistischen Ländern übermittelten.

"Wir bringen keine Propaganda in unseren Nachrichtensendungen. Wir bemühen uns ständig, unsere Nachrichten so sachlich, so objektiv und so richtig wie möglich zu halten",

betonte ein Redakteur von Radio Free Europe. Tatsächlich aber war es ein offenes Geheimnis, dass der amerikanische Geheimdienst die beiden Münchener Sender großzügig unterstützte. Die CIA stellte Anfang der 70er-Jahre die Zahlungen ein, die Finanzierung übernahm der amerikanische Kongress. Die Radiostationen lieferten aber weiterhin Stoff für Spionagegeschichten. KGB und Securitate schleusten Agenten in die Redaktionen ein, es gab geheimnisvolle Entführungsversuche. Und 1978 ließ der bulgarische Geheimdienst in London einen Radio-Free-Europe-Mitarbeiter ermorden.

Am Abend des 21. Februar 1981 detonierte in München vor dem Gebäude der beiden US-Sender ein Sprengsatz.

"Der Auftrag kam von der rumänischen Securitate. Ziel war die Liquidierung eines rumänischen Dissidenten, der bei der rumänischen Abteilung dieses Radiosenders als Leiter arbeitete",

berichtete später Magdalena Kopp, langjährige Lebensgefährtin des Terroristen Carlos in ihrer Autobiografie. Sie und der Carlos-Vertraute Johannes Weinrich waren für den Anschlag verantwortlich, bei dem acht Menschen verletzt wurden. Die Zehn-Kilo-Bombe riss ein Loch in die Außenmauer und richtete einen Sachschaden in Millionenhöhe an.
Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums änderten sich auch die Rahmenbedingungen für Radio Liberty und Radio Free Europe. 1995 zogen die Stationen von München nach Prag um, das Budget und die Zahl der Mitarbeiter wurden stark reduziert.
Heute produzieren die beiden Sender Programme in mehr als zwei Dutzend Sprachen, um in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit wie Usbekistan, Russland, Iran und Weißrussland unterdrückte Informationen und demokratische, westliche Werte zu verbreiten.

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