Projekt Yolocaust

"Kein großer Erkenntnisgewinn"

Eine Frau springtin Berlin von einer Stele des Holocaust-Mahnmal- Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Holocaust-Mahnmal: Oft tun die Menschen hier andere Dinge, als still zu gedenken © picture alliance / dpa
Fabian Wolff im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 19.01.2017
Yolocaust, ein Projekt des israelischen Satirikers Shahak Shapira, sorgt derzeit für Aufsehen. Selfies vom Holocaust-Mahnmal werden mit Bildern aus KZs auf drastische Weise kombiniert. Der Kulturjournalist Fabian Wolff vermisst den Erkenntnisgewinn.
Auf den Fotos sind Menschen zu sehen, die sich am und im Berliner Holocaust-Mahnmal selbst fotografieren. Geht man mit dem Cursor auf das entsprechende Foto, verschwindet das Mahnmal, und Leichenberge aus den KZs bilden plötzlich den Selfie-Hintergrund. Diese Fotos sind auf der Webseite yolocaust.de zu sehen und wurden innerhalb kurzer Zeit in den Sozialen Medien weltweit verbreitet.
Nur auf die Wirkung der Bilder wollte sich der israelische Satirikers Shahak Shapira aber nicht verlassen. Er erklärt das Projekt auf der Seite auch noch mit einigen Sätzen: Demnach will es unsere Erinnerungskultur hinterfragen:

Lachen, springen, skaten, radeln, küssen und posen

"Ca. 10.000 Menschen besuchen täglich das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Viele von ihnen springen, skaten, radeln oder posen mit breitem Lächeln auf den 2711 Betonstelen des rund 19.000 m² großen Bauwerks für die Kamera. Die Bedeutung und Rolle des Mahnmals ist umstritten. Für viele Menschen symbolisieren die grauen Betonquader die Grabsteine der sechs Millionen Juden, die ermordet und in Massengräbern beerdigt wurden, oder die Asche, zur der sie verbrannten."
Italienische Touristinnen machen am Holocaust-Denkmal in Berlin ein Selbstporträt mit einem "Selfie-Stick".
Zwei italienische Touristinnen vor den Beton-Stelen des Mahnmals© picture alliance / dpa/ Felix Zahn
Der Kulturjournalist Fabian Wolff sieht in "Yolocaust" keinen großen Wurf. "Da ist kein großer Erkenntnisgewinn hinter", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Es gehe hier um eine Art "Meta-Scherz mit großer didaktischer Absicht". Und ihm fällt Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ein, der über das Mahnmal sagte, er wünsche sich einen Ort, zu dem die Leute gerne gingen.
Für bittere Wahrheiten braucht es machmal keine Satiriker. (ahe)
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