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Studio 9 | Beitrag vom 19.09.2019

Projekt "Leistung macht Schule"Die Stärken aller Kinder im Blick

Von Kilian Pfeffer

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Oldenburg: Schülerinnen melden sich während des Unterrichts an einer Schule.  (dpa, Hauke-Christian Dittrich)
Überfordert oder unterfordert? Das Projekt "Leistung macht Schule" will die Bildungseinrichtungen für unterschiedliche Stärken von Kindern sensibilisieren. (dpa, Hauke-Christian Dittrich)

Wie können Schülerinnen und Schüler besser gefördert werden? Tipps will das Projekt "Leistung macht Schule" geben. Es richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer. 125 Millionen Euro gibt Deutschland dafür aus.

Große Erwartungen, große Hoffnungen. Das Projekt "Leistung macht Schule", genannt Lemas, beflügelt die Beteiligten. Zum Beispiel die Koordinatorin Gabriele Weigand, Professorin an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe:

"Das Projekt ist, glaube ich, weltweit einmalig. Ich glaube, wir können mit Lemas die Schule des 21. Jahrhunderts aufstellen."

Leistung macht Schule – was ist das genau? Das Projekt ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass die guten Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht genügend gefördert werden. Dass das Land im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Um das zu ändern, arbeiten Bund und Länder zusammen und unterstützen zunächst 300 Schulen. Kostenpunkt: 125 Millionen Euro. Wir müssen das tun, sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

"Wir brauchen so viele Talente wie noch nie in diesem Land. Wenn wir stark bleiben wollen, dann brauchen wir gut ausgebildete junge Leute und dann brauchen wir viele gut ausgebildete junge Leute. Wir können es uns gar nicht erlauben, irgendein Potenzial nicht zu erkennen, und nicht zu nutzen."

Nach zehn Minuten mit den Aufgaben fertig

Die guten – oder wie es heißt "leistungsstarken" - Schülerinnen und Schüler sollen gestärkt und individuell gefördert werden. Karen Korge, Schulleiterin an der Eigenherd-Grundschule in Kleinmachnow im Berliner Umland, berichtet aus der Praxis:

"Lehrer beobachten immer wieder, dass Schüler im Unterricht sitzen und nach zehn Minuten mit Aufgaben fertig sind, für die andere Schüler eine halbe oder sogar die ganze Stunde brauchen, und diese Kinder immer nur mit mehr desselben zu beschäftigen, ist einfach schade."

Das heißt: Diese Schüler bekommen noch andere, kreativere Aufgaben dazu. Im Matheunterricht können sie ein Thema wählen, das ihnen Spaß macht. Oder Aufgaben bearbeiten, die eigentlich erst für das kommende Schuljahr gedacht sind.

Lehrer sollen aber auch die verborgenen Talente von Schülern entdecken und unterstützen. Etwa wenn sich Schülerinnen und Schüler besonders gut in die Gemeinschaft einbringen. Dafür nehmen die Lehrerinnen und Lehrer an Fortbildungen teil, die ihre so genannte "Diagnosekompetenz" stärken. Dabei lernen sie zum Beispiel, dass sie sich immer wieder selbstkritisch überprüfen müssen, wie sie einen Schüler wahrnehmen, meint Karen Korge:

"Unsere Einschätzung von der Leistung eines Schülers hängt oft mit äußeren Merkmalen zusammen, mit Arbeit- und Sozialverhalten zum Beispiel, mit äußeren Merkmalen wie Kleidung. Schon der Name eines Schülers kann uns Lehrer in eine Richtung bringen, die eine Voreinschätzung bedingt."

Freudvoller und leistungsorientierter Arbeitsplatz

Es geht auch darum, zu erkennen, warum Schüler im Unterricht nicht mitmachen. Ob sie über- oder möglicherweise unterfordert sind.

Die Frage ist allerdings, wie Lehrerinnen und Lehrer das angesichts von Personalmangel, überfüllten Klassen und viel Bürokratie leisten sollen. Das sieht auch die Projekt-Koordinatorin Gabriele Weigand. Aber:

"Wir versuchen insgesamt, über diese Stärke, über diese Begeisterung, über die Einsicht, dass wir unsere Schulen verändern müssen, Schule zu einem freudvollen und leistungsorientierten Arbeitsplatz zu gestalten."

Die Ergebnisse sind bisher erfreulich, berichtet Weigand. Man nehme bei dem Projekt alle Schülerinnen und Schüler in den Blick, schaue mehr auf ihre Stärken und weniger auf die Schwächen, fördere so die Leistungsbereitschaft und helfe nicht zuletzt den Lehrerinnen und Lehrern und den Schulen. Ja, das klingt gut. Und es wäre allen zu wünschen, dass dieses Projekt dazu beiträgt, dass die Schule tatsächlich den Weg ins 21. Jahrhundert findet.

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