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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 17.01.2014

ProgrammschwerpunktArno Schmidt zum 100. Geburtstag

Der Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma im Interview

Eine Schreibmaschine, eine Lupe und zwei Brillen liegen auf dem Schreibtisch des Schriftstellers Arno Schmidt (1914 - 1979) in seinem ehemaligen Haus in Bargfeld (Niedersachsen). (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)
Eine Schreibmaschine, eine Lupe und zwei Brillen liegen auf dem Schreibtisch des Schriftstellers Arno Schmidt (1914 - 1979) in seinem ehemaligen Haus in Bargfeld, Niedersachsen. (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Er zählt zu den großen Sonderlingen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts und hat gerade deshalb eine verschworene Fan-Gemeinde: Arno Schmidt. Am 18. Januar vor 100 Jahren wurde der Schriftsteller in Hamburg geboren.

Arno Schmidt hat die Literatur so ernst genommen, dass er lieber gehungert hat, als seine Bücherwelt zu verlassen. Mit seiner Frau Alice lebte er im niedersächsischen Bargfeld bei Celle in einem kleinen Holzhaus und arbeitete zurückgezogen an seinen Texten. Besucher hielt er sich weitestgehend vom Leib.

 

Diese biografische Notiz über Arno Schmidt wird gern zitiert. Für den Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, der den Autor mit einer großen Geldsumme aus seinem Erbe finanziell unterstützte, ist das jedoch eine typisch deutsche Betrachtungsweise des Nachkriegsschriftstellers. Der Blick auf das Werk des Autors komme dabei zu kurz.

In der anglo-amerikanischen Welt habe man auf die Kolportage solcher Klischees über den Menschen verzichtet, sagte Reemtsma im Deutschlandradio Kultur. Die Reaktionen auf Schmidts Bücher seien viel offener gewesen, vor allem sein Werk "Zettels Traum" wurde häufig mit dem "Ulysses"-Verfasser James Joyce verglichen.

Der Schriftsteller Arno Schmidt (undatiertes Foto) (AP Archiv)Arno Schmidt, undatierte Fotografie (AP Archiv)"Er hat die Grenzen des literarisch Ausdrückbaren verschoben"

Für Reemtsma gehört Schmidt zu den großen Avantgardisten der Literatur. Er nennt ihn im Interview einen Autor, der die Grenzen des literarisch Ausdrückbaren verschoben habe. Dabei zeichne sein Werk aber auch "Humor, Geist, Witz und kluger Spaß" aus.

Als Einstiegslektüre für Leser, die den Autor kennenlernen möchten, empfiehlt Reemtsma dessen Erzählung "Brand's Haide" aus dem Jahr 1951. Darin geht es um einen Mann, der aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt und sich in der norddeutschen Provinz niederlässt. Auch hier zeichne Schmidt einen Alltagsrealismus mit einer einzigartig konzentrierten Energie.

 

Hören Sie im Originalton, was Arno Schmidt über die Deutschen dachte:

 

Auch der Länderreport, heute um 13.07 Uhr, widmet sich dem Schriftsteller Arno Schmidt. Der Autor Matthias Kußmann hat sich in dessen Wohnort Bargfeld umgesehen. "Mond, Nebel & Regen erste Qualität“ nennt er sein Feature.

 

Hören Sie um 0.05 Uhr am 18. Januar, die Lange Nacht über Arno Schmidt mit dem Titel "Geräusche aus dem Zettelkasten"; Regie: Monika Künzel.

 

Das Kalenderblatt am 18. Januar um 5.45 Uhr und um 9.55 Uhr widmet sich ebenfalls dem 100. Geburtstag des Schriftstellers Arno Schmidt.

 

 mhu - mit epd

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