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Profil / Archiv | Beitrag vom 12.08.2011

Proben für das Pop-Oratorium

Chor der Woche: S(w)inging for freedom

Bei der Aufführung des Pop-Oratoriums "Die 10 Gebote" in Dortmund sangen mehrere Chöre zusammen. (W. Heidenreich)
Bei der Aufführung des Pop-Oratoriums "Die 10 Gebote" in Dortmund sangen mehrere Chöre zusammen. (W. Heidenreich)

Über 600 Sängerinnen und Sänger kommen Ende August in Berlin zusammen, um das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" aufzuführen, das die Geschichte von Moses und seinem Auszug aus Ägypten in das gelobte Land erzählt. Der Chor S(w)inging for freedom aus Detmold ist mit dabei. Seine Mitglieder standen schon bei der Uraufführung in Dortmund mit auf der Bühne.

"Heaven is a wonderful place."

Im Gemeindehaus der Friedenskirche in Detmold-Ost fühlen sich die Sängerinnen von S(w)inging for freedom dem Himmel schon mal ein kleines Stückchen näher. Als Gemeindechor gestalten sie etwa alle zwei Monate die Gottesdienste mit. Ursprünglich war S(w)inging for freedom ein freier Chor, dessen Gründung 2004 eine ziemlich spontane Idee war, wie sich die Vorsitzende Monika Dreimann erinnert.

"Die Idee kam ... das war so eine Frauengruppe, die sich regelmäßig getroffen hat, und da kam das mal zur Sprache, dass manche gerne singen würden. Viele sind gleich drauf angesprungen, und dann haben wir das in die Tat umgesetzt."


S(w)inging for freedom ist bis heute eine reine Frauentruppe, nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit. Sämtliche Versuche, Männer für das Chorprojekt zu begeistern, waren bis jetzt einfach nicht von Erfolg gekrönt.

Der Sangeslust der aktuell 22 Mitglieder tut das keinen Abbruch. Moderne Kirchenlieder und Gospels bestimmen das Repertoire des Chores. Aber ein Konzert mit populären Liedern aus den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist den Frauen ebenfalls noch in guter Erinnerung. Zwar gehört S(w)inging for freedom mittlerweile als Gemeindechor offiziell der Kirche an, aber auf die Frage, ob sie sich als ein christlicher Chor verstehen, herrscht zunächst nachdenkliches Schweigen. Alt-Sängerin Elke Schnorr bringt es schließlich auf den Punkt:

"Natürlich wollen wir auch mit den Liedern etwas ausdrücken und auch Gott loben. Aber die Musik bietet so viel Vielfältigkeit und es macht einfach nur Spaß, auch andere Sachen zu machen. Das müssen nicht nur christliche Hintergründe sein. Es geht im Endeffekt nur darum, dass wir singen wollen, und singen macht einfach nur Spaß."

Unterstützung für ihr Chorprojekt fanden die Gründungsmitglieder bei Angelika Böke. Die 54-jährige Kirchenmusikerin ist Organistin in der Gemeinde und leitet dort den Posaunenchor. Als die Frauentruppe 2004 auf sie zukommt und ihr die Leitung des neuen Chores anträgt, sagt sie zu.

"Ich hatte als Kind schon Orgelunterricht und ich war immer im Posaunenchor, und während der Ausbildung musste man auch in einem Chor singen und man hat ja dann auch Chorleitung, und da ist es richtig und gut, wenn man selber auch Chorsängerin ist, dass man weiß, wovon man spricht!"

Angelika Böke meldete S(w)inging for freedom 2009 für das Großprojekt "Die 10 Gebote" an. Das deutsche Pop-Oratorium, das als Projekt von der evangelischen Creativen Kirche in Witten angestoßen wurde, suchte damals für seine Welturaufführung im Januar 2010 noch stimmliche Unterstützung. Dass sie die Premiere in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle mit Orchesterbegleitung vor 9.000 Zuschauern erleben würden, konnte sich bei den Proben noch niemand vorstellen.

Das Spektakel des Komponisten Dieter Falk erzählt mit eingängigen Arrangements die Geschichte von Moses und dem Auszug aus Ägypten. Mit auf der Bühne dabei: S(w)inging for freedom als Backgroundchor zusammen mit 2500 anderen Sängerinnen und Sängern. Auch wenn einzelne Stimmen in dieser großen Masse untergehen, legte Angelika Böke bei den Proben großen Wert darauf, die chorischen Passagen präzise einzustudieren.

"Ich glaube, man muss dieses Gefühl: Ach, ich muss das gar nicht so gut können, da sind ja noch 2500 andere, das kommt auf mich ja gar nicht so an – dieses Gefühl ist, glaube ich, ein bisschen gefährlich, denn wenn das alle denken, klingt's nicht mehr gut. Und ich denke, gerade wenn so eine ganz große Gruppe singt, dann muss man's richtig machen, denn dann wirkt es wahrscheinlich erst so richtig."

Wie überwältigend die Wirkung des gesamten Ensembles bei der Aufführung war, hat auch Bärbel Droste erfahren. Die Tenor-Sängerin des Frauenchores entfernte sich bei der Generalprobe in der Westfalenhalle einmal aus ihrer Gruppe, um den Gesang von außen zu hören.

"Da dachte ich, jetzt schleichst du dich mal und hörst mal, wie das klingt. Und das war echt irre. Weil wenn man jetzt bei seiner eigenen Stimme steht, man hört ja dann nur Tenor, und vielleicht schwappt da so'n bisschen was rüber, aber man hört ja nicht das Gesamtbild. Und als ich da unten gestanden habe, ... das war schon toll."

Die Hauptrollen wurden von professionellen Sängern übernommen. Aber auch die, erinnert sich Elfie Halling, waren von der gewaltigen Klangkulisse offensichtlich beeindruckt.

"Vor der Zugabe, da haben die sich alle zu uns umgedreht und uns praktisch applaudiert und uns gedankt sozusagen, und zum Ausdruck gebracht, ohne euch wäre es gar nicht so toll gewesen. Also ohne uns zweieinhalbtausend Leute, muss man sagen."

Kein Wunder, dass S(w)inging for freedom sich schon auf die große Wiederaufnahme in Berlin freut. Im August sollen es dort bei einer Open-Air-Veranstaltung mehr als 7000 Sänger werden. Die Busfahrt aus Detmold ist auf jeden Fall schon gebucht, um am Ende wieder mit allen zusammen das große Finale zu singen.

Service:
Das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" wird am 28.8.2011 in der Wulheide in Berlin aufgeführt.

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