Donnerstag, 22.10.2020
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 16.01.2019

Pro-EU-Initiative "Open Britain"Hoffen auf ein zweites Referendum

Thomas Cole im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Demonstranten, die den Brexit ablehnen, halten am 15.1.2019 in London Schilder mit der Aufschrift "Let's stay with the EU" und "No 2 Brexit". (imago / PA Images / Matt Crossick)
"Let's stay with the EU": Demonstranten am Tag der Abstimmung über den Brexit-Deal vor dem britischen Parlament in London (imago / PA Images / Matt Crossick)

Für eine weitere Volksabstimmung setzt sich die pro-europäische Initiative "Open Britain" sein. Nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen solle das britische Volk nochmals über den Brexit abstimmen und nicht das Parlament, fordert Thomas Cole.

Die britische Premierministerin Theresa May ist gestern deutlich bei der Abstimmung über ihren Brexit-Kompromiss gescheitert. Heute muss sie sich einem Misstrauensvotum im Parlament stellen.

Die pro-europäische Initiative "Open Britain" setzt sich für ein Referendum am Ende des langen Verhandlungsprozesses ein. Für Thomas Cole, der die politische Abteilung der Remain-Initiative in London leitet, ist es nicht wichtig, wer am Ende an der Spitze der Regierung steht:

"Für uns macht es keinen großen Unterschied, wer Premierminister oder –ministerin ist. Es gibt aus unserer Sicht keinen Brexit, der für Großbritannien positive Auswirkungen haben könnte."

"Keiner ist mit dem Abkommen zufrieden"

Nach der gescheiterten Abstimmung hofft er auf neuen Schwung für ein zweites Referendum:

"Der Brexit ist innenpolitisch ein großes Problem geworden. Keiner ist mit dem Abkommen zufrieden, das hat man auch gestern Abend im Parlament gesehen – weder harte Brexiteers noch die, die für einen Verbleib sind." Da der Prozess mit einem Referendum angefangen habe, sei die Initiative der Meinung, es könne nicht einfach eine Entscheidung im britischen Parlament sein, die das Ganze abschließe: "Es muss ein Referendum am Ende des Prozesses geben, damit das britische Volk als Ganzes entscheiden kann."

"Jetzt wissen wir, wie es aussieht"

Nach zweieinhalb Jahren Verhandlungen, so Cole, müsse man sich nun noch einmal vor Augen führen, was die Hoffnungen derjenigen gewesen seien, die das Referendum 2016 gewannen und was seitdem zustande gekommen sei: "Jetzt wissen wir, was Brexit ist und wie es aussieht. Sind wir noch damit einverstanden?"

Nach Meinungsumfragen könnte eine knappe Mehrheit bei einem erneuten Referendum für den Verbleib in der EU stimmen, hofft Cole. Er sagt:

"Und wenn die Briten sagen, wir sind immer noch nicht mit einem Verbleib einverstanden und wir möchten gern dieses Abkommen akzeptieren, was gestern vom Parlament abgelehnt worden ist oder sogar einen ungeregelten Brexit haben – okay, dann hat das britische Volk darüber abgestimmt."

(cosa)

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